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Die Krise macht ihr Leben schwerer

Erstellt von Pascal Turin |
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Blinde und sehbehinderte Menschen erleben im Alltag viele schwierige Situationen. Heute Donnerstag ist Tag des weissen Stockes.

Abstand halten ist eine wichtige Massnahme bei der Eindämmung des Coronavirus. Für Blinde und Sehbehinderte ist das sogenannte Social Distancing eine Herausforderung. Sie können selbst nur schwer dafür sorgen, dass die geforderten Abstände eingehalten werden, und sind deshalb auf gut sehende Menschen angewiesen. Viele Betroffene haben sich laut dem Schweizerischen Blindenbund in der Corona-Krise stärker zurückgezogen, weil sie etwa auf den öffentlichen Verkehr angewiesen sind und dieser besonders am Anfang gemieden werden sollte.

«Ich hoffe fest, dass man gelernt hat, auf einander zu schauen, hilfsbereit zu sein. Gewisse Leute halten lieber Abstand, sagen nicht mal Grüezi, das muss nicht sein, aber es gibt auch Leute, die achten mehr auf Nettigkeit», sagt Adrienn Seifert von der Regionalgruppe Zürich des Blindenbundes.

Gemäss einer aktuellen Studie des Schweizerischen Zentralvereins für das Blindenwesen gibt es hierzulande rund 377 000 Personen mit Sehbehinderung, Blindheit oder Hörsehbehinderung. Das sind mehr, als vermutet wurde. «Von den 377 000 betroffenen Personen sind etwa 50 000 blind, das heisst, sie können in den meisten täglichen Situationen kein Sehpotenzial nutzen», heisst es dazu im Fachheft «Sehbehinderung, Blindheit und Hörsehbehinderung: Entwicklungen in der Schweiz».

Blindenhunde nicht streicheln
Heute Donnerstag, 15. Oktober, ist der «Tag des weissen Stockes». Er wird weltweit von Blindenverbänden genutzt, um auf die Anliegen von Sehbehinderten und Blinden aufmerksam zu machen. Denn im Alltag passieren im Umgang mit Betroffenen viele Fehler oder Unachtsamkeiten. Die weissen Leitlinien am Boden, die es häufig bei Haltestellen gibt, sind wichtige Orientierungshilfen. Stehen aber gut sehende Menschen auf den Leitlinien, verstellen sie sehbehinderten Personen den Weg.

Generell ist es so, dass man fremde Hunde nicht einfach streicheln sollte. Bei Blindenhunden ist das doppelt wichtig, weil sie durchs Streicheln abgelenkt werden. Auch Menschen wollen nicht einfach angefasst werden. «Immer erst ansprechen, dann helfen. Vor Schreck könnten sonst ernsthafte Unfälle geschehen», so der Schweizerische Blindenbund.

Und falls Betroffene Hilfe einmal ablehnen sollten, hat das einen einfachen Grund: Sehbehinderte oder blinde Personen wollen – wie alle anderen auch – möglichst selbstständig durchs Leben gehen.