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Durch Strassenmusik in die Schweiz

Erstellt von Patrick Holenstein |
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Der schottische Singer-Songwriter Argyle lebt seit acht Jahren in Zürich. Gerade erst kam seine Debüt-EP «Waves» raus. Im Gespräch redet der Musiker über seine neue CD, seine musikalischen Wurzeln und seine Zeit als Strassenmusiker.

Argyle ist aufgebrochen, um die Welt zu sehen, und eroberte als Strassenmusiker die Städte. Jetzt lebt der schottische Singer-Songwriter seit nun mehr acht Jahren in Zürich. Diese Zeit als Strassenmusiker war elementar für ihn. «Es hat mich an das Spielen vor Menschen herangeführt. So wurde ich offener mit meiner Musik und lernte mit Menschen zu interagieren», sagt Argyle beim Interview. Zudem hat die Strassenmusik ihn zum Reisen und so der Liebe wegen letztlich in die Schweiz gebracht. Hier trifft man den geselligen Schotten schon mal beim Bierzapfen in Zürichs Strassen oder im Winter in den Bündner Bergen an. Wenn Argyle über die Schweiz spricht, spürt man, wie wohl er sich hier fühlt.

Kein Plan B

Der Mann, der in einfachen Verhältnissen in einem Industriekaff an der schottischen Küste aufwuchs, hat bis vor einigen Jahren nicht alle Karten auf die Musik gesetzt. «Aber jetzt setze ich voll darauf und es gibt keinen Plan B», sagt er. Er hat sich schnell einen guten Ruf erarbeitet, war etwa in der 2020er-Weihnachtskampagne von Coop durch den Song «By Your Side» zu hören. So ist er mit Produzenten in Kontakt gekommen, traf auf Musiker wie Stress oder Marius Bear, mit denen er schon zusammengearbeitet hat.

Argyle hat schon als kleines Kind gesungen, dann mit 18 Jahren die Gitarre zur Hand genommen. «Ich habe mir das Spielen selbst beigebracht und nie eine Musikschule besucht», sagt der Musiker. Damals hat er auch begonnen, seine ersten Songs zu schreiben. Seither ist viel passiert. Gerade erst ist seine Debüt-EP «Wave» erschienen. Sie belegt, wie viel Talent und Gespür für Songs Argyle hat. Er schafft es, mit seiner weichen und dunklen Stimme und den fein aufgebauten Melodien zu überzeugen. So bleibt schon der Opener «Stuck Between The Waves» durch den gefühlvollen, kräftigen Gesang im Ohr. Ar­gyles unverkennbare Stimme fesselt, wird durch gezielte Gitarrenklänge unterstrichen. Bis zur Mitte des Songs lässt er sich so treiben, bis eine Band dazustösst und sich ein poppiger Folksong entwickelt, der so richtig tief in die Seele geht. Mit seinen Melodien zeichnet Argyle zeitlose Werke in die Luft, denn die Musik ist ihm genauso wichtig. Dafür sind zwei Dinge elementar.

Der schottische Bezug zur Musik, wo Livemusik sehr geschätzt wird. «Es geht gar nicht immer um Geld. Die Leute machen Musik aus Leidenschaft», sagt er. Zudem hat der Musikgeschmack seiner Eltern dazu beigetragen. «Mein Vater hatte einen ausgezeichneten Geschmack. So bin ich mit Künstlern wie Ray Charles, Otis Redding oder Folksängern wie Bob Dylan oder The Band, aber auch mit neueren Künstlern wie Ben Howard in Berührung bekommen», erklärt Argyle. «Meine Mutter hatte einen weniger guten Musikgeschmack und so sang ich auch zur Musik von Enrique Iglesias oder ABBA», lacht er und ergänzt: «Aber tatsächlich mag ich die auch. Ich denke, mein gut gemischter musikalischer Background war für die Entwicklung als Künstler wichtig.»

Bilder im Kopf

Die Musik von Argyle klingt lässig. Argyle legt bei seinen Songs Wert auf die Texte und liebt es doppeldeutig. «Ich mag es, wenn es gelingt, mit Texten oder Worten Bilder in die Köpfe zu malen und mit den Fantasien zu spielen. Wenn du etwas hörst und es verschiedene Bedeutungen haben kann, es dich zum Staunen bringt oder sogar Erinnerungen auslöst und dich so mit der Musik verbindet; das ist für mich der wichtigste Punkt», erklärt Argyle schon fast philosophisch. Bei den fünf Songs auf «Waves» funktioniert das wunderbar und es lohnt sich, die Texte aufmerksam zu hören.

Mit seiner angenehmen Art und den packenden Songs hat es der Schotte geschafft, sich zu etablieren. Die Weichen für eine vielversprechende Karriere als Singer-Songwriter in der Schweiz sind jedenfalls gestellt. Denn diesen Sommer steht der Schotte mit der charismatischen Stimme unter anderem am Openair St. Gallen und am Gurtenfestival auf der Bühne. Der Name Argyle könnte also schon bald im ganzen Land bekannt sein. Ob die Zürcherinnen und Zürcher dann noch von ihm Bier gezapft bekommen?


Wer Argyle live hören möchte: Am 22. Juni spielt der schottische Musiker ab 20 Uhr ein Konzert in der Zürcher Barfussbar.

Der ausführliche Artikel kann auf «Bäckstage.ch» gelesen werden.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Zürcher Online-Kultur-Magazin «Bäckstage.ch»