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Ein Treffen mit zwei seelenverwandten Radstars

Erstellt von Lorenz Steinmann |
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Alfonsina Strada war vor gut 100 Jahren die erste Frau, die den Giro d’Italia fuhr. An einer Lesung betonte Olympiamedaillengewinnern Marlen Reusser (30), wie wenig sich seither geändert habe.

Sie gilt als Pionieren des Frauen-Radrennsports: die Italienerin Alfonsina Strada (1891–1959). Im Jahr 1924, also vor bald 100 Jahren, setzte sie sich in den Kopf, am berühmten Giro d’Italia teilzunehmen. Das Rennen ist damals wie heute eines der härtesten Mehretappenrennen der Welt. Mit Mut, Fantasie und dem unerschütterlichen Glauben an sich selbst bereitete sie sich damals auf den Coup ihres Lebens vor und erreichte, dass sie am Männerrennen schlussendlich doch geduldet wurde.

Im Rahmen des Buch- und Literaturfestivals «Zürich liest» fand dazu eine stimmige Lesung, im radsportaffinen «Les Halles» in Zürich-West, statt. Angereist aus Italien war die Autorin Simona Baldelli. Sie hat unter dem Titel «Die Rebellion der Alfonsina Strada» einen fesselnden, mit heroischen Details gespickten Roman über das Leben der Radsport-Pionierin Alfonsina Strada geschrieben. Am von Laura Scuriatti gekonnt zweisprachig moderierten Anlass war auch Marlen Reusser, Silber-Medaillengewinnerin im Zeitfahren an der Olympiade 2021, dabei. Das war darum äusserst aufschlussreich, weil Reusser kein Blatt vor den Mund nahm. «130 Jahre nach ­Alfonsina Stradas Geburt müssen wir Frauen immer noch beweisen, dass wir es können», sagte Radrennprofi Reusser. Sie habe vor Alfonsina Strada darum so viel Respekt, weil diese extreme Widerstände überwinden musste. Reusser wünscht sich für die Zukunft, dass nicht mehr dauernd Männer mit Frauen punkto Leistung verglichen werden. «Wir sind immer noch ähnlich weit wie vor 100 Jahren und dabei müssen wir auch noch gut aussehen», so die 30-Jährige.

Die 11. Ausgabe von «Zürich liest» fand vom 27. bis 31. Oktober statt und ging mit vielen literarischen Glanzlichtern über die Bühne. Das Festival vereinte rund 200 Autorinnen und Autoren, die sich an unterschiedlichsten Örtlichkeiten vielfältigsten Literaturformen und Themen widmeten. Für die Festivalleitern Violanta von Salis war es das letzte Festival. Nach elf Jahren übergibt sie das Zepter an ihren Kollegen, den bisherigen «Zürich liest»-Programmleiter Martin Walker.