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Eine literarische Reise durch die Schweiz

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Wegen Corona werden viele ihre Sommerferien in der Schweiz verbringen. Warum zur Einstimmung nicht Schweizer lesen, die über die Schweiz schreiben?

Die Schweiz ist in diesem Jahr als Ferienland in aller Munde. Eine Chance also, um die vielfältige hiesige Landschaft zu entdecken. Dazu gibt es hier die perfekte Ferienlektüre: eine kleine «Tour de Suisse» mit jüngst erschienenen Werken lokaler Autorinnen und Autoren.

Ausgangspunkt in Basel

In Basel treffen wir den inzwischen pensionierten Kommissär Peter Hunkeler, die bekannte Hauptfigur aus den Kriminalromanen Hansjörg Schneiders. Hunkeler sitzt an einem heissen Sonntagmorgen beim Kiosk im Kannenfeldpark und geniesst seinen Kaffee. Mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei, als ihn eine Spaziergängerin ruft. Sie hat an der Mauer des Parks einen erschlagenen Mann entdeckt. Bald ist bekannt, dass es sich bei dem Toten um einen namhaften Kulturkritiker handelt, der wegen seiner Verrisse verhasst war. Hunkeler aber hat ihn persönlich gekannt und nimmt seine privaten Ermittlungen auf, welche den ehemaligen Polizisten quer durch das Dreiländereck führen. «Hunkeler in der Wildnis» ist bereits Schneiders zehnter Krimi mit diesem Kommissär und nach wie vor eine vergnügliche Lektüre.

Flug über die Alpen

In die Simplonregion führt uns die Autorin Mirjam Britsch. Im Sommer 1910 findet in Mailand eine Flugschau statt und die Organisatoren schreiben dazu einen ehrgeizigen Wettbewerb aus: Zum ersten Mal in der Geschichte soll ein «Flugapparat» die Alpen überqueren. Zielort ist der Mailänder Domplatz, gestartet wird in Ried-Brig. Und damit ist es vorbei mit der Ruhe in diesem beschaulichen Bergdorf. Viele ausländische Gäste werden erwartet und die Bevölkerung erhofft sich einen ansehnlichen Verdienst. Die Machenschaften um dieses Ereignis sowie das dörfliche Leben wird aus der Sicht von Edi erzählt, einem Bauernjungen aus armen Verhältnissen. Mit «Über den Simplon» tauchen wir in eine Zeit ein, in der noch jedes Automobil bewundert wurde und ein Flug über die Alpen als Sensation galt.

Leben im Tessiner Bergdorf

Der Tessiner Autor Fabio Andina nimmt uns mit nach Leontica, einem Bergdorf mit alten Steinhäusern im mittleren Bleniotal. Während sieben Tagen begleiten wir den 90-jährigen Felice. Er beginnt seine Tage immer gleich: früh morgens und bei jedem Wetter mit einem Bad in der «Gumpe», einer Felswanne oberhalb des Dorfes. Dann sammelt er in der Natur Essbares wie Kastanien, Kakis, Feigen, Pilze und Früchte. Felice besucht seine Nachbarn und ab und zu leistet er sich ein Essen in einer Trattoria. Wichtig für ihn ist auch die Bar im Zentrum des Dorfes, denn dort spielt sich das soziale Leben ab. «Tage mit Felice» zeigt auf eine wunderbare Weise, wie ein naturverbundenes Leben heute aussehen kann und die Atmosphäre in einem Tessiner Bergdorf mit all seinen Originalen.

Zwei Bündner Damen

Weiter geht die literarische Reise in die bündnerische Surselva. In Arno Camenischs jüngstem Roman «Goldene Jahre» führen Margrit und Rosa-Maria seit 51 Jahren einen Kiosk inklusive Zapfsäule. Ihr ganzer Stolz ist die gelbe Leuchtreklame auf dem Dach des Kiosks, welche die ganze Umgebung aufhellt. Während ihrer Vorbereitungen eines neuen Tages lassen die Damen das vergangene halbe Jahrhundert Revue passieren und sinnieren über die Veränderungen. Die Bandbreite ihrer Betrachtungen reicht von globalen Ereignissen wie dem Reaktorunfall in Tschernobyl, dem Klimawandel bis hin zum Dorfklatsch. Geschrieben hat Camenisch die Geschichte, wie schon die vorgängigen Romane, in seinem eigenen Stil – eine Mischung aus Hochdeutsch und Dialekt, durchsetzt mit wenigen rätoromanischen Ausdrücken. In «Goldene Jahre» erleben wir zwei Bündner Damen, die durch ihre Liebe zu ihrem Kiosk und ihrer Gegend auf ein anscheinend zufriedenes Leben zurückblicken.

Schlusslicht ...

Zum Schluss sei Franz Hohlers «Fahrplanmässiger Aufenthalt» erwähnt. Seine kurzen Erzählungen eignen sich bestens, Wartezeiten zu überbrücken, und regen an, die Umgebung genauer zu betrachten. (Ilka Allenspach)

* Ilka Allenspach ist Bibliothekarin in Küsnacht. Alle erwähnten Bücher können ausgeliehen werden.