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Fröhliche Triller und nostalgische Jauchzer

Erstellt von Liana Soliman |
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Endlich: Livekonzerte können wieder stattfinden. Am Sonntag erfüllte das Balkan Klezmer Quartett Doina die idyllischen Räumlichkeiten des «Seehofs» in Küsnacht mit mal melancholischen, mal herzzerreissenden und mal rassig-heiteren Klängen.

Lange haben viele Musikerinnen und Musiker sehnsüchtig auf diesen Moment gewartet und nun ist er endlich eingetroffen: Erstmals fand im Küsnachter «Seehof» am vergangenen Sonntagnachmittag das Livekonzert des Balkan Klezmer Quartetts Doina statt. Darüber dürften sich wohl nicht nur die vierköpfige Band gefreut haben, sondern auch zahlreiche Fans, die pandemiebedingt einen langen musikalische Entzug aushalten mussten.

«Wir sind begeistert, wie viele Personen Interesse an der Veranstaltung zeigten», sagte Sabine Vernik, Leiterin des Kultursekretariats der Gemeinde Küsnacht, «die Tickets waren innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.» Der Event wurde von der Kulturkommission für die Bevölkerung organisiert. So wurden mit Einhaltung des Corona-Schutzkonzepts zwei 45-minütige Konzerte mit je rund 35 Zuhörenden durchgeführt.

Rassige, leidenschaftliche Musik

Unter dem Titel «Rumania – Scharf wie Paprika, süss wie Baklava» luden Sabine Furrer an der Violine, Valentin Wandeler an der Klarinette, Andreas Gohl am Akkordeon und Piano und Fridolin Blumer am Bass zu einer emotionsgeladenen Reise durch die Welt der Balkan- und Klezmermusik in Rumänien ein. «Unser letztes Konzert war vergangenen November. Es ist somit ein unglaublich grossartiges Gefühl, wieder vor Publikum spielen zu dürfen», sagte Gohl zu Beginn des Konzerts und setzte sich an das Klavier.

Sogleich begann das Spiel: Geige und Klarinette wechselten sich ab, gaben sich einem herzzerreissenden Tanz hin, während Klavier und Kontrabass diesem ­Duett einen mit Emotionen geladenen und dumpfen Tanzboden gaben. Mit Blicken und Nicken kommunizierten die vier Künstler auf geschickte Art und Weise und sprangen so von tief leidenschaftlichen Melodien zu rassig, fröhlich-verspielten Motiven.

Der Jazz-Kontrabassist Fridolin Blumer spielte dabei eine mal ruhige, mal treibende Basslinie und sorgte mit perkussiven Elementen wie Klopfen oder dem Zupfen der Saiten immer wieder für Spannung. Der Pianist und Akkordeonist Andreas Kohl, der einen kammermusikalischen Hintergrund hat, lieferte mit einer beschwingten Spielweise eine groovige Begleitung für das Geigen-Klarinetten-Duett, ebenfalls mit kammermusikalischem Hintergrund: So verschmolzen Sabine Furrer an der Violine und Valentin Wandeler an der Klarinette stellenweise ineinander.

An anderen wiederum führten die beiden Instrumentalisten ein für Klezmermusik typisches, von feierlichen Trillern, dramatischen Schleifern und nostalgischen, melancholischen, gar weinerlichen Jauchzern erfülltes Gespräch.

Wildes Stück sorgt für Jubelrufe

Die Darbietung schien die Zuhörerinnen und Zuhörer zu begeistern. So konnte man Köpfe im Takt nicken und Füsse klopfen sehen. Am Ende jedes Stückes wurde das dynamische Spiel des Quartetts mit begeisterten Jubelrufen und Applaus belohnt. Doch den Höhepunkt bildete ein rassiges, fast wildes Stück, bei dem Klarinette und Geige durch unglaublich schnelle, mit Leichtigkeit und Präzision gespielte, erfrischende Melodien so begeisterten, dass aus dem Publikum sogleich laute Jubelrufe zu hören waren.

Mit der auf Wunsch des Publikums lüpfigen, auf Jiddish genannt «freylekhe», also fröhlichen, kurzen Zugabe entliess das Quartett die Zuhörerinnen nach einer Reise durch Rumänien und durch die bunte Welt der Gefühle in die Abendsonne.  «Das war mein erstes Konzert seit der Corona-bedingten Pause und ich bin begeistert: Es war eine wunderbare Darbietung mit super Akustik», sagte die Zuhörerin Marlies Brännhage aus Küsnacht.