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Geringes Risiko am Stopp-Knopf

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Auf häufig und von vielen verschiedenen Personen berührten Oberflächen können sich Corona-Viren befinden. Die Wahrscheinlichkeit, über diesen Weg angesteckt zu werden, ist jedoch gering.

Haben Sie auch schon versucht, den roten «Fussgänger drücken»-Knopf oder den­jenigen für «Halt auf Verlangen» im Bus mit dem Ellenbogen zu betätigen? Gar nicht so einfach, oder? Nun zeigen zwei Studien mit Beteiligung der im Kanton Zürich beheimateten Wasserforschungsstelle der ETH, der Eawag, dass wir uns nicht allzu stark Sorgen machen müssen, über das Berühren von Knöpfen oder Tasten mit dem neuen Sars-Virus angesteckt zu werden, zumindest im Vergleich zu anderen möglichen Übertragungswegen. Dies teilt die Eawag mit.

8 Prozent der Proben positiv

Die Forschenden haben dazu vom April bis im Juni 2020 rund 350 Oberflächenproben von Türgriffen zu Geschäften, Deckeln von Abfallkübeln, Tastaturen von Geldautomaten und Tanksäulen sowie eben den besagten roten Knöpfen an Fussgängerübergängen getestet. In 29 Proben (rund 8 Prozent) wurde tatsächlich Erbgut des Virus nachgewiesen. Sie waren also positiv.

Doch die Konzentrationen waren so klein, dass die Wissenschafter auch das Risiko einer Übertragung ab solchen kontaminierten Oberflächen als klein einschätzen, «unter 5 von 10  000 Fällen», sagt Timothy Julian von der Eawag-Abteilung für Umweltmikrobiologie. Geleitet wurde die Studie von den zwei Forscherinnen Abigail Harvey und ihrer Professorin Amy Pickering an der Tufts-Universität, durchgeführt in Somerville, einem Vorort von Boston (USA) mit gut 80  000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Proben als Warninstrument

Trotz der guten Botschaft, dass wohl solche Oberflächen wenig zur Verbreitung von Corona beitragen, schlagen die Forschenden aber vor, regelmässig Proben an diesen Stellen zu nehmen. Denn diese Punkte wurden bis zu 30-mal pro Stunde von verschiedenen Leuten berührt, und der Verlauf der positiven Befunde stimmt gut überein mit der Kurve der neuen ­Ansteckungen, welche sich aus den klinischen Tests ergab.

«Ähnlich wie bei den Abwasserproben könnte auch die Untersuchung oft berührter Oberflächen auf Sars-CoV-2-Erbgut ein nützliches Instrument sein, um die klinischen Tests zu ergänzen und Trends der Pandemie-Entwicklung möglichst früh zu erkennen», sagt deshalb Timothy Julian.

Beste Strategie: Hände waschen

In einer zweiten Studie unter Leitung von Ana Karina Pitol (Imperial College, London) kombinierten die Forschenden die Modelle zur Risikobewertung mit der Frage, wie effizient die Desinfektion von Oberflächen und das Händewaschen sind, um dieses Risiko zu reduzieren. Das Resultat ist eindeutig: Während der
Nutzen der Desinfektion von Kontaktpunkten von sehr vielen Faktoren abhängig und eher gering ist, schützt die Händedesinfektion universell und reduziert das Ansteckungsrisiko gleich um Grössenordnungen.

Vernachlässigen sollte man gemäss der Studie das Übertragungsrisiko ab Knöpfen, Tasten oder Griffen dennoch nicht. Timothy Julian betont: «Berücksichtigt man, dass jeder einzelne jede Stunde Dutzende solcher Objekte berührt, steigt das Risiko, sich zu infizieren,  natürlich an, wenn viele Leute Virusträger sind. Allerdings wächst dann das Ansteckungsrisiko genauso auch über die anderen Kanäle, zum Beispiel wenn Abstände nicht eingehalten werden oder zu viele Leute im selben Raum sind.»

Nicht untersucht haben die Forschenden Kontaktflächen, zu deren Kontamination Menschen über längere Zeit beitragen können, etwa Geschirr oder Tische in Restaurants. «Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand über einem Tisch hustet oder niest und sich Tröpfchen mit hohen Virenkonzentrationen dort befinden, ist viel grösser als bei einem Knopf oder einem einzelnen Türgriff», sagt Julian. Die Desinfektion von Tischen in Restaurants oder der saubere Abwasch seien daher immer noch sehr wichtig, so der Forscher. (pd.)