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«Ich erlebte den tiefsten Moment»

Erstellt von Manuela Moser |
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Der Lockdown im Frühling war für Christoph Krähenmann schwierig. Der Besitzer eines Juweliergeschäfts in Küsnacht erlebte seinen tiefsten Moment. Doch dann kamen die Kunden wieder. Und Begegnungen sind jetzt wieder möglich.

Wie geht es Ihnen während der zweiten Corona-Welle?

Mir geht es bedeutend besser als in der ersten Corona-Welle und ich kann etwas gelassener jeden Tag bewältigen.  

Was ist jetzt anders für Sie?

Die erste Corona-Welle und der Shutdown hatten mir Sorgen bereitet. Anfang April hatte ich dann aus persönlichen Gründen den tiefsten Moment meines Lebens, der einige Menschen zutiefst schockiert hatte. Das war furchtbar für sie! Der verlorene Glauben an mich und das zerstörte Selbstvertrauen bewegten mich während Monaten, jeden möglichen Begegnungen auszuweichen. Zurückgezogen wurde ich still und sehr verschlossen. Dankbar bin ich, dass ich seit Anfang April sehr gut unterstützt werde.  Corona nehme ich sehr ernst und versuche immer, den Vorschriften zu folgen.

Was hat Ihnen in der ersten Welle trotz allem geholfen, die Hoffnung nicht zu verlieren?

Nach der Lockerung des Shutdown kamen wieder Kunden und einige Bekannte ab und zu vorbei. So durfte ich doch in meiner inneren dunklen Zeit einen gewissen sozialen Austausch erleben. Meine Familie, der Kontakt mit Kunden und Bekannten und die Unterstützung von verschiedenen Seiten haben mir geholfen, seit ein paar Wochen endlich wieder mit mehr Zuversicht jeden Tag zu starten. Das Selbstvertrauen kommt wieder zurück und ich freue ich mich auf die frühen dunkeln Morgen und Abende, allmögliche  Lichter in Küsnacht mit der Kamera bewegend aufzunehmen. Wöchentlich laufe ich zudem im Minimum 100 Kilometer, manchmal auch neue Wege mit Treppen – dadurch fördere ich meine körperliche und seelische Gesundheit.

Was sind für Sie die schlimmsten Folgen der Pandemie?

Wie sich die nähere Zukunft wegen Corona entwickelt, wurde für einige Menschen zur psychischen Belastung, ob in persönlichen und oder beruflichen Aspekten. Die Aussichten und das Planen für die Zukunft sind eher unsicherer als noch vor einem Jahr.

Gibt es gute Aspekte?

Ja. Zum Beispiel die Bewegungsabläufe im Küsnachter Dorf wirken ruhiger und man spürt, wie viele Menschen einander etwas mehr Platz geben. Manchmal wirkt das Ausweichen lustig. Solche heiteren Momente brechen manchmal das Eis und bringen einen oder gar beide zum Lachen. Überhaupt sind die Vorschriften des Maskentragens und des Distanzhaltens jetzt mehr oder weniger eingespielt. Es ist zur neuen Normalität geworden. An dieser Stelle bedanke ich mich von Herzen für die Unterstützung durch so viele Menschen. Ich darf mich in Küsnacht aufgehoben fühlen.

Was ist in Ihren Augen die Lösung beziehungsweise das Ende von Corona?

Neben dem Einhalten der Schutzmassnahmen wird ein Impfstoff die beste Lösung sein, der sehr wahrscheinlich den Covid-19-Virus-Mutationen immer wieder neu angepasst werden muss. Dazu braucht es Zeit und Geduld von allen. Wir werden es zusammen schaffen.

Wie wird Corona unsere Gesellschaft verändern?

Unter anderem sind die Künste wichtige Bestandteile der Gesellschaft. Wegen Corona werden Konzepte entwickelt, die zu neuen Erlebnissen und Überraschungen für Künstler sowie Beobachter führen können. Darum freue ich mich, wie sich die Künste entwickeln werden, und wünsche ihnen Kraft und Zuversicht.

Sie sind im Dorf bekannt für Ihre originellen Schaufenster. Wird es die Corona-spezifische Auslage geben?

Ich denke eher nicht, aber für das nächste Schaufenster befasse ich mich mit Treppen (lacht).