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Ihre Forschung ist ausgezeichnet

Erstellt von Pia Meier |
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Edlira Luca ist Postdoktorandin am Universitätsspital Zürich. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Muskelschwund. Luca hat mit zwei anderen Wissenschaftlerinnen den Vontobel-Preis für ihre Altersforschung erhalten.

Drei Forscherinnen wurden für ihre Arbeiten im Bereich Muskelregeneration, Parkinson und Wohlbefinden im Alter mit dem Vontobel-Preis ausgezeichnet. Eine davon ist Edlira Luca. Die 40-jährige Postdoktorandin ist an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung des Universitätsspitals Zürich tätig.

«Von den Kindern, die letztes Jahr in der Schweiz geboren sind, werden 1 von 4 Mädchen und 1 von 7 Buben voraussichtlich ihren 100. Geburtstag feiern können», sagt Luca. Doch mit dem Alter verliert man Skelettmuskulatur, Fettzellen bilden sich zwischen den Muskeln. «Ungefähr ab 40 Jahren verlieren wir alle zehn Jahre acht Prozent von unserer Skelettmuskulatur.» Dies verursache Probleme bei der Mobilität und hat Unfälle, die zu Spitalaufenthalten führen, zur Folge.

Unabhängigkeit im Alter erhalten

«Wir verlieren mit dem Alter unsere Freiheit, uns zu bewegen und unabhängig zu sein. Wenn das Corona-Jahr 2020 uns etwas gelehrt hat, ist es, dass dies für die Lebensqualität wichtig ist», betont Luca. Zudem erhöht der Muskelverlust das ­Risiko für Typ-II-Diabetes bei über 65-Jährigen. «Ich bin interessiert, herauszu­finden, warum Fettzellen die Muskeln infiltrieren beziehungsweise ob es einen Zusammenhang gibt zwischen dem Auftreten von Fettzellen und dem Verlust von Muskulatur, wenn wir altern.» Luca hofft einen Beitrag zu leisten, wie die Muskelkraft erhalten werden kann und somit die Unabhängigkeit im Alter.

Den Vontobel-Preis erhielt sie zusammen mit zwei anderen Wissenschaftlerinnen für ihre Forschungsarbeit (siehe unten). Luca untersuchte in ihrem Labor in Schlieren mit modernsten molekularbiologischen Methoden die Rolle einer Genfamilie bei der Muskelregeneration. Sie konnte zeigen, dass ein ausgeklügeltes Netzwerk von fünf verschiedenen Mikro-­RNAs die Kommunikation der Muskelzelle mit der Aussenwelt reguliert und somit die Neubildung von Muskelgewebe nach einer Verletzung beeinflusst. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Muskelschwund.

Bei älteren Menschen regenerieren die Muskelzellen schlechter, was weniger Muskelkraft und funktionelle Einschränkungen zur Folge haben kann. Luca und ihr Team zeigten, dass eine Genexpression die Muskelregeneration bei alten Mäusen signifikant verbesserte. Die Resultate liessen sich auch bei menschlichen Muskelzellen bestätigen. «Es ist eine grosse Ehre, diesen Preis zu erhalten», freut sich Luca. «Wir haben so lange an dieser Idee gearbeitet und mussten so viele Hindernisse überwinden.»

«Ich liebe meine Arbeit»

Luca ist in Albanien geboren und in New York aufgewachsen. Sie war schon als Kind interessiert an Biologie, wie Zellen arbeiten und wie die Organe untereinander kommunizieren. «Vielleicht lag es daran, dass meine Mutter Ärztin ist und immer leidenschaftlich von ihrer Arbeit sprach.» Luca hat zwei kleine Buben und lebt mit ihrem Mann – er ist Arzt – in Zürich. Die beiden Kinder besuchen die Krippe.

Wie bringt sie Kinder und Beruf unter einen Hut? «Es ist schwierig, aber ich liebe meine Arbeit», meint sie nachdenklich. Ihre Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten in der Forschung würden sie sehr unterstützen und ermutigen. «Ich habe mich nie diskriminiert gefühlt, weil ich eine Frau bin.» Jedenfalls sei sie noch nie ausgeschlossen worden. Seit der Schweizerische Nationalfond Frauen unterstützt, die weiterkommen wollen, sei es auch finanziell besser. Sogar die Kosten für die Kinderbetreuung würden berücksichtigt. Sonst könnten die Kosten für die Krippe ein Problem sein.

Problematischer sei die Meinung der Gesellschaft. Viele würden nach wie vor glauben, dass das Aufziehen der Kinder Sache der Frau ist. «Es ist wichtig, jungen Leuten beizubringen, dass Träume und Leidenschaft für die Arbeit sowohl zu Mann und Frau gehören, und dass Partnerschaft bedeutet, dass man Haushalt und Kinderbetreuung teilt», ist Luca überzeugt. Sie habe Glück, dass ihr Partner sie unterstütze. Auch wenn sie einmal mehr Zeit im Labor verbringe als geplant. «Forschungsarbeit ist mehr als ein 100-Prozent-Job», sagt Luca.

Eigentlich wollten sie und ihr Mann nur vorübergehend in der Schweiz arbeiten. Doch sie sind geblieben. «Wir lieben es, hier zu wohnen, auch wegen der ­nahen Berge.»

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Das ist der Vontobel-Preis für Alter(n)sforschung

 

Das Zentrum für Gerontologie der Universität Zürich verleiht jährlich den von der Vontobel-Stiftung dotierten Preis für Alter(n)sforschung der Universität Zürich. Damit soll die gerontologische Forschung in der Schweiz in verschiedensten Wissenschaftsgebieten gefördert und auch die Öffentlichkeit zu Fragen des Alterns in der Gesellschaft sensibilisiert werden.

Mit dem Preisgeld von insgesamt 30 000 Franken werden herausragende wissenschaftliche Nachwuchstalente ausgezeichnet.

Drei Forscherinnen erhielten die Auszeichnung letztes Jahr für ihre Arbeiten im Bereich Muskelregeneration, Parkinson und Wohlbefinden im Alter: Edlira Luca vom Universitätsspital Zürich, Anne-Laure Mahul-Mellier von der EPFL Lausanne und Jenna Wünsche von der Universität Basel wurden mit dem Vontobel-Preis für Alter(n)sforschung ausgezeichnet.(pm.)