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Klimaschützer wollen nachlegen

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«Der Sinn des Lebens» lautet das Kernthema der diesjährigen Turmgespräche-Reihe. Bei der Premiere in der Kirche St. Peter ging es um den Klimastreik, der momentan hip ist – jedoch mit abnehmender Tendenz. Nun will die «Klimajugend» selber Infos rausgeben.

Drei «Klimastreikende» stellen sich zum Auftrakt der diesjährigen Turmgespräche-Reihe den kritischen Fragen von David Guggenbühl vom Kirchenkreis Altstadt. Etwa, dass Jungen nur fordern und nachher in die Ferien fliegen. Die 17-jährige Gymnasiastin Vesna Müller gibt sich selbstkritisch. «Ja, das eigene Verhalten müssen wir Jungen überdenken.» Solange man aber in der Obhut der Eltern lebe, sei es schwierig, etwas zu ändern. «Wir dürfen nicht stimmen und wählen, wir können nur aufmerksam machen.» Klar sei, «dass wir schnell etwas gegen den Klimawandel machen müssen, die Politik hat 30 Jahre lang geredet und nichts getan», so Müller. Ihr schon etwas älterer Kollege, Physikstudent Sam Lüthi, erinnert daran, «dass man vom Zusammenhang zwischen Klimaerwärmung und CO2 seit 1896 weiss».

«Ohne Verzicht geht es nicht»
Uni-Student Nicola Siegrist ist überzeugt, dass es ohne Verzicht nicht geht: «Vegetarismus kann doch toll sein und Ferien mit dem Zelt auch.» Dank den Demos «kommt man nicht mehr ums Thema herum. Viele hatten keine Meinung, weil sie ihr Handeln gar nie hinterfragten.» Siegrist kritisiert die Wirtschaft, die nicht vorwärtsmache, obwohl die Technologien bekannt seien, etwa bei der Solarenergie. Die siebenköpfige Runde der älteren Generation steht altersmässig für jene Entscheidungsträger, «welche die letzten 30 Jahre nichts gemacht haben für den Klimaschutz». Dabei bekommt man im Laufe des Gesprächs das Gefühl, dass es immer die anderen sind, welche am Pranger stehen. Heute gilt frei nach Franz Hohlers Klassiker «Es si alli so nätt». So ist man sich einig, dass der Konsum ausländischer Produkte oft eine sehr schlechte Klimabilanz hat. Doch wer ist schon konsequent?
David Guggenbühl versucht zwischendurch, die Einigkeit etwas zu durchbrechen. «NZZ-Chefredaktor Eric Guyer hat euch kritisiert, dass ihr Populisten seid, ihr wollt etwas anschieben, macht dann aber nichts.» Vesna Müller – ziemlich abgeklärt – weiss um diese Kritik. «Wir müssen uns von alten Männern anhören, wie unrealistisch unsere Forderungen sind.» Das sei unfair, weil vor allem die kommenden Generationen unter dem Klimawandel zu leiden hätten. Gerät das Thema trotzdem bald in Vergessenheit? Sam Lüthi erläutert, dass man zwei Projekte in den Startlöchern habe. Informationen selber herausgeben, allenfalls gar in einem eigenen Magazin und nicht mehr über, sondern mit den Leuten reden. Das Trio denkt an Klimagesprächsrunden in Quartieren, «weil ja alle betroffen sind».

Unerklärliche Katastophen
«Müssen wir beim Thema nicht auch über Werte sprechen?», fragt Guggenbühl in die Runde. Er versucht, eine Brücke zur Kirche zu schlagen. Für Nicola Siegrist war die Kirche 500 Jahre lang da, wenn es unerklärliche oder ungerechte Katastrophen gab. «Die Kirche könnte doch heute wieder so eine Art Diskussionsplattform sein zum Thema Klima.» Für Sam Lüthi ist klar, dass die Kirche andere Menschen erreicht. «Spannend ist doch, dass die Kirche Hoffnung kommuniziert und so sollten auch wir von der Klimabewegung nicht nur Panik verbreiten.»
Für David Guggenbühl bleibt trotzdem ein Fazit, zumindest von den gesellschaftlichen Feedbacks her: Kirche ist uncool, Demo ist cool. Trotzdem bleibt für die «Klimajugend» ein gewaltiges Stück Arbeit, damit das Thema nicht wieder von der Agenda verschwindet.

Die Turmgespräche sind in voller Länge und gekürzt auf www.turmgespraeche.ch und in einer Wissensstation im Kirchenschiff St. Peter aufgeschaltet.

((Bitter nötig oder einfach nur utopisch?))

Pfarrer Ueli Greminger hat kürzlich Schlagzeilen gemacht, weil er die Kirchturmuhr einen Tag auf «5 vor 12» stehen liess. Botschaft: Klimaschutz ist dringend. Der Gemeinderat beschloss parallel dazu, dass Zürich bis 2030 seinen Netto-CO2Ausstoss auf null senken soll, noch viel drastischer, als dies die im Gesetz verankerte 2000-Watt-Gesellschaft-Vision tun will. Kritische Stimmen sagen, dass schon diese Forderung utopisch und unerreichbar sei. Ein CO2-Rechner der Stadt zeigt auf, wie hoch der persönliche Energieverbrauch ist. (ls.)
www.stadt-zuerich.ch/2000-watt-rechner