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Kultur im altehrwürdigen Keller

Erstellt von Karin Steiner |
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Seit Jahren ist Hans-Peter Fehr begeistert vom Charme des historischen Gewölbekellers im Landhaus Wangensbach. Nun geht sein lang gehegter Wunsch in Erfüllung und der Ort wird für kulturelle Anlässe bereitgestellt.

«Ich habe schon viele Kellertheater gesehen», sagt Hans-Peter Fehr. «Seit ich zum ersten Mal die einmalige Atmosphäre dieses wunderschönen Gewölbekellers im Landhaus wahrgenommen habe, ist es mein Wunsch, dass dieser Ort im Sinne eines Kellertheaters für kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann. Doch bisher scheiterten meine Bemühungen an den Kosten. So etwas kann man nicht mit Steuergeldern berappen.» Im Verlauf seiner fast 20-jährigen Tätigkeit als Bau- und Planungssekretär der Gemeinde Küsnacht sei er immer wieder mit diesem Gewölbekeller konfrontiert worden und er habe es sehr bedauert, ihn als Abstellraum des Alterszentrums sehen zu müssen.
Als Küsnacht einen Ideenwettbewerb ausschrieb und verschiedene Projekte suchte, in die man die Jubiläumsdividende der Zürcher Kantonalbank in Höhe von 473 000 Franken sinnvoll einsetzen könnte, sah er seine Chance gekommen. Er reichte ein Konzept mit möglichen Grundrissnutzungen ein und überzeugte mit seiner Idee, den Ort für kulturelle Anlässe zu nutzen, die fünfköpfige Jury. Sein Vorschlag wurde aus den über hundert eigereichten Projekten als eines von sechs zur Weiterbearbeitung ausgewählt. Mit Unterstützung des Architekten Bruno Oertli arbeitete er ein Baugesuch aus, welches bis zum 28. April bei der Gemeinde aufgelegen hat.  
Ein historischer Ort
Das Landgut Wangensbach beim Alterszentrum wurde 1624 vom Zürcher Textilunternehmer und Ratsherr Beat Werdmüller-Holzhalb gebaut. Später war es im Besitz von Bürgermeister Salomon Hirzel und von 1876 bis 1877 wohnte und arbeitete der Dichter Conrad Ferdinand Meyer in dem stattlichen Gebäude. Heute ist es im Besitz der Gemeinde und das Landhaus samt einem Teil der Umgebung gilt als übekommunales Schutzobjekt.
Über eine breite Steintreppe gelangt man in den eindrücklichen Keller und fühlt sich in alte Zeiten zurückversetzt. Die Gewölbedecke wird von toskanischen Säulen getragen, der Boden ist kunstvoll gepflästert und riesige alte Weinfässer zeugen vom ursprünglichen Zweck des Raums. «Dieser Keller lebt von seiner einmaligen Ausstrahlung, und daran soll absolut nichts geändert werden», sagt Hans-Peter Fehr.
Bei der Ausarbeitung des Bauplans mussten nicht nur der Schutzwürdigkeit des Kellers Rechnung getragen werden, sondern auch feuerpolizeiliche Auflagen erfüllt werden. Mit angepassten baulichen Massnahmen kann die überbreite Treppe als genügender Fluchtweg hergerichtet werden, damit die maximal 100 zugelassenen Besucherinnen und Besucher sich im Keller sicher fühlen können. «Im Bereich des Eingangs darf nichts brennbar sein, aber wir haben eine Lösung gefunden, die Holztüre mit einer Stahlglaskonstruktion abzusichern, die den Ansprüchen des Denkmalschutzes und auch der Feuerpolizei gerecht werden sollte und die den Blick auf die Tür dennoch erlaubt. Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war sehr angenehm und konstruktiv, wir haben gemeinsam nach Kompromissen und Lösungen gesucht und sie auch gefunden.»  
Anlässe in der warmen Jahreszeit
Im Gewölbekeller gibt es keine Heizung, keine Lüftung und keine Isolation. «Mein Ansatz war es, den Raum weder zu isolieren noch zu beheizen. Somit ist er nur während der warmen Jahreszeit nutzbar.» Um die alte Bausubstanz zu schonen und vor Feuchtigkeit zu schützen, sollen auch nicht allzu viele Veranstaltungen stattfinden. «Und aus Rücksicht auf die Bewohnerinnen und Bewohner des Alterszentrums nur solche, die keinen grossen Lärm verursachen», betont Hans-Peter Fehr, der unter anderem Mitglied der Kulturkommission, Mitinitiant der Kulturnacht und Schauspieler beim Theaterverein «Die Kulisse» ist. «Ich stelle mir Theatervorstellungen, Konzerte, Lesungen, Vorträge, Tanz, aber auch Ausstellungen und Kleinkunst aller Art vor.»
In der Mitte des Kellers zwischen den vier Säulen wird eine kleine Arena-Bühne aus Holz gebaut. Auf drei Seiten der Bühne kommen solide Holzbänke zu stehen, die je nach Anlass verschoben werden können. Beleuchtet wird die Bühne mit mobilen Scheinwerfern. Der thermischen Lüftung dienen die Oberfenster. Ferner wird bei der Zugangstreppe ein Geländer montiert. Für die gesamten Arbeiten wurde ein Betrag von 175 000 Franken gesprochen. Wer sich um die Belegung des Raums kümmert, ist noch offen. Hans-Peter Fehr würde es begrüssen, wenn eine Abteilung der Gemeinde die Anlässe verwaltet. «Jedermann soll sich mit seinen Ideen melden können. Im Vordergrund steht auf jeden Fall die Kultur und nicht die kommerzielle Nutzung.» Auch sollen die Veranstaltungen mit der Leitung des Alterszentrums abgesprochen werden, damit nicht an beiden Orten gleichzeitig etwas stattfindet.
Die ganze Planung sei wegen der ­vielen Begrenzungen eine spannende Herausforderung gewesen. Jetzt wartet Hans-Peter Fehr gespannt auf den baurechtlichen Entscheid. Wann die ersten Anlässe stattfinden können, ist jedoch noch ungewiss. «Auch wenn alles gut läuft, dürfte der Start vor nächstem Jahr kaum möglich sein.»