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Lebensraum für Orchideen und Schlingnattern

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Grün Stadt Zürich und der Kanton setzen auf die Auflichtung des Waldes, um die Vielfalt von Tieren und Pflanzen im Naturschutzgebiet Fallätsche zu erhalten. Beobachtungen belegen, dass sich dieses Vorgehen positiv auf die lokale Flora und Fauna auswirkt.

Die Fallätsche oberhalb von Leimbach ist ein Naturschutzgebiet von kantonaler Bedeutung. Es handelt sich um einen 8 Hektaren grossen Erosionstrichter mit unterschiedlich bewachsenen Steilhangflächen. Hier hat die Biodiversität Vorrang, denn dieser Teil des Stadtwaldes wird wegen der steilen Lage wenig frequentiert. Der lichte Wald, der vorwiegend aus Föhren, Ahorn, Eschen, Buchen und Eiben besteht, sowie die Wiesen und Rutschungen vor Ort bieten Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Die Pflege der Fallätsche erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Kanton, schreibt Grün Stadt Zürich in einer Pressemitteilung.

Biodiversität unter Druck

In den 1990er-Jahren wurden in der Fallätsche über 300 Pflanzenarten nachgewiesen. Bei einer Erhebung im Jahr 2008 wurden hingegen nur noch 240 Arten gefunden. Ursache für den Rückgang war, dass sich auf den früher offenen Flächen Sträucher und Bäume stark ausgebreitet hatten. Dies beeinträchtigte sowohl die niederwüchsigen Pflanzen, die auf reichlich Licht angewiesen sind, als auch licht- und wärmeliebende Tierarten.
Um die Verbuschung und die Verwaldung rückgängig zu machen, führte Grün Stadt Zürich im Jahr 2010 erste Auflichtungsmassnahmen auf einem Drittel der Fläche durch. Einzelne Bäume und Büsche wurden entfernt, damit mehr Raum für andere Organismen entstehen konnte. Vorab definierten das Amt für Landschaft und Natur des Kantons und Grün Stadt Zürich eine Liste mit Zielarten von seltenen Tieren und Pflanzen, die durch den Eingriff besonders gefördert werden sollten. Eine erste Erfolgskontrolle zwei Jahre später zeigte, dass sich Flora und Fauna positiv entwickelten. 2015/2016 folgten weitere Massnahmen auf dem zweiten Drittel, im Herbst 2020 wird der restliche Drittel behandelt. Begleitend finden jährliche Pflegemassnahmen statt: unerwünschte Pflanzen wie der Sommerflieder oder die Armenische Brombeere können dadurch zurückgedrängt werden. Denn auch diese profitieren vom zusätzlichen Licht; ihre Ausbreitung findet auf Kosten der Vielfalt statt. Damit die aufgelichteten Bereiche nicht innerhalb weniger Jahre wieder verbuschen, werden einzelne Flächen in einem Turnus von mehreren Jahren gemäht.
Über 60 gefährdete Pflanzen

Grün Stadt Zürich lässt die Auswirkungen der Auflichtungsmassnahmen periodisch überprüfen und tauscht sich mit weiteren Fachpersonen aus. 2019 wurden die Pflanzen und in diesem Jahr die Tiere unter die Lupe genommen. Bei der Vegetationserhebung hat sich gezeigt, dass sich 12 von den 14 besonders erwünschten Zielarten gut entwickelt haben. Dazu gehören die zwei Orchideenarten Frauenschuh und Moosorchis. Insgesamt wurden 266 Pflanzenarten gefunden, 63 davon sind auf der Liste der gefährdeten Arten, heisst es in der Pressemitteilung weiter. Es gibt verschiedene Hinweise, dass die Biodiversität bei den Pflanzen wieder zunimmt – vorausgesetzt, dass es gelingt, unerwünschte Gewächse langfristig einzudämmen.

Waldteufel und Bergzikaden

Der Bericht zur Faunakartierung hält fest, dass sich die Auflichtungen positiv auf die Vielfalt ausgewirkt haben. Nicht nur wegen der Zunahme an Licht, sondern auch, weil wegen der Waldarbeiten wieder mehr kleine Erdrutsche und Tümpel entstanden sind, die beispielsweise von Reptilien und Amphibien geschätzt werden. Gefunden wurden unter anderem Schlingnattern, Feuersalamander, Gelbbauchunken, Bergzikaden und der Schmetterling Waldteufel. Leider nicht mehr aufgetaucht sind gemäss Grün Stadt Zürich die Schmetterlinge Gelbringfalter und Milchfleck. Neu eingewandert sind dafür – nachdem sie jahrzehntelang verschollen waren – das Hufeisenkleewidderchen und der Grosse Perlmutterfalter. Erfreulich ist auch, dass in diesem Jahr erstmals mehrere seltene Wildbienenarten nachgewiesen werden konnten. (pd.)