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Mehr Grünraum, mehr Sicherheit - auf Kosten von Parkplätzen

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Das Stadtrat von Zürich will Gas geben beim Begrünen der Innenstadt. Ausserdem will er den Fussgängern und Velofahrern mehr Raum und Sicherheit bieten. Das geht aber nur auf Kosten von Parkplätzen.

In der Antwort auf einen Vorstoss des Gemeinderats zeigt der Stadtrat auf, wo sich in der Innenstadt und den angrenzenden Quartieren mehr Platz für Grünflächen schaffen und die Sicherheit für Fussgängerinnen und Fussgänger sowie für Velofahrende erhöhen liesse. Dafür müssten oberirdische Parkplätze aufgehoben werden. Voraussetzung dafür ist die Annahme des kommunalen Richtplans Verkehr, der eine Aufweichung des Historischen Parkplatzkompromisses vorsieht.

Eine Wille des Gemeinderates

Am 24. Oktober 2018 überwies der Gemeinderat mit 64:49 Stimmen die Motion (GRNr.2017/422). Diese beauftragt den Stadtrat, die Zürcher Innenstadt für Fussgängerinnen und Fussgänger sowie für Velofahrende attraktiver zu gestalten. In seiner Motionsantwort zeigt der Stadtrat Möglichkeiten zur Umsetzung der Forderung der Motion auf. Diese beruhen auf einer Analyse von Strassenräumen in der Innenstadt und in angrenzenden Quartieren. Die Analyse beschränkt sich auf die weissen Strassenparkplätze im Gebiet des Historischen Kompromisses. Handlungsmöglichkeiten bestehen zum Beispiel dort, wo weisse Parkplätze die Sicherheit von Velorouten beeinträchtigen oder zur Hitzeminderung Bäume für eine Allee gepflanzt werden könnten.

Zehn Strassenräume sind zur genaueren Betrachtung ausgewählt worden. Eine dieser Projektskizzen betrifft die Konradstrasse im Kreis 5. Der Fuss- und Veloverkehr hat im engen Strassenquerschnitt Defizite. Die dichte Bebauung führt zu einer Überhitzung. Würden 34 weisse Parkplätze aufgehoben, könnten die Veloverbindung sicherer gemacht, eine Begegnungszone eingerichtet und eine durchgehende Allee angelegt werden. Die neun Parkplätze der Blauen Zone blieben erhalten. Für den Autoverkehr stehen zudem weisse Parkplätze in den umliegenden Strassen und das nicht ausgelastete Parkhaus Hauptbahnhof zur Verfügung.

Schnell und ohne grosse Umbauarbeiten liesse sich die Löwenstrasse umgestalten, so die Meinung des Stadtrats. Würden 11 von 21 Parkplätze aufgehoben, könnten Pocket-Parks mit Bäumen und Sitzgelegenheiten entstehen. Im nahen Parkhaus City sind genügend Autoabstellplätze vorhanden.

Stadtrat sieht Vorteile fürs Gewerbe

Erhebungen zeigen, dass über 80 Prozent der Kundschaft der Innenstadt zu Fuss, per Velo oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den Geschäften gelangt. Gerade in der Innenstadt zeigen die Beispiele Rennweg und Limmatquai, dass die Reduktion von Parkplätzen und des Autoverkehrs positive Auswirkungen auf Passantenfrequenzen und Geschäftsgang haben können.

Die Parkhäuser im Gebiet des Historischen Kompromisseskönnten insgesamt eine höhere Nachfrage abdecken. Die Auslastung der Parkhäuser in der Innenstadt ist unterschiedlich: Während zum Beispiel das Jelmoli- oder das Urania-Parkhaus ab Mittag stark belegt sind, gilt dies nicht für die Parkhäuser City, Hauptbahnhof oder Hohe Promenade. Deren Auslastungsspitzen liegen bei 50 –75 %, im Werktagsschnitt deutlich unter 50%.

Zoff ist programmiert

Die skizzierten Massnahmen sind ohne Aufhebung von Strassenparkplätzen nicht umsetzbar. Der knapp 25-jährige Historische Parkplatzkompromiss müsste im kommunalen Richtplan Verkehr an die aktuellen Bedürfnisse angepasst und die Zahl der Parkplätze reduziert werden. Der Entwurf zum kommunalen Verkehrsrichtplan befindet sich zurzeit in Beratung beim Gemeinderat. Sicher ist, dass ein Parkplatzabbau für öffentliche Diskussionen sorgen wird. (pd./ Foto: Lisa Maire)