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Obstverein soll Obstbäume pflegen

Erstellt von Karin Steiner |
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Viele städtische Obstanlagen in den Kreisen 7 und 8 werden minimal unterhalten. Dies soll sich nun ändern. Eugen Ofner, ehemaliger Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich, will eine Obstgenossenschaft gründen und mithilfe der Mitglieder die Bäume pflegen und das Obst sinnvoll verwerten.

«Ich möchte mit meinem Engagement die Stadt unterstützen, diese Obstanlagen mit ihrer Vielfalt zu erhalten», sagt Eugen Ofner. «Dies ist mir wichtig, da ich einen grossen Teil der jungen Bäume über 20 Jahre in diesen Anlagen als Mitarbeiter von Grün Stadt Zürich selber gepflanzt habe. Es tut mir weh zu sehen, wie das Obst jeweils im Herbst herunterfällt und nicht gebraucht wird. Diese Bäume müssten mindestens jedes zweite Jahr geschnitten werden. Bis jetzt bekommen sie keinen ­Dünger und oft haben sie gegen eine Mäuseplage anzukämpfen.» Um das zu verbessern, möchte der ausgebildete Forstwart und Landschaftsgärtner, der ausserdem eine Zusatzausbildung für Naturgärten gemacht hat, einen Obstverein und eventuell später eine Obstgenossenschaft mit Anteilscheinen gründen. Dafür sucht er nun interessierte und engagierte Mitglieder.

Viele seltene Obstsorten

Geplant ist, dass die Mitglieder wenn möglich etwa acht Einsätze pro Jahr leisten. Dabei bekommen sie professionelle Unterstützung von Eugen Ofner und lernen, wie man die Obstbäume schneidet und wie man das Obst aussortiert. In den Stadtkreisen 7 und 8 gibt es verschiedene Obstanlagen, die Eugen Ofner mit den zukünftigen Mitgliedern gerne bewirtschaften würde, zum Beispiel am Kirchhügel Witikon, am Segentenweg und im Segetental und in der Freiluftschule Zürichberg oberhalb der Schlifi. Er selber hat seit 19 Jahren von der Stadt Zürich die Obstanlage Elefantenweg gepachtet und bewirtschaftet sie gemeinsam mit rund 20 Freiwilligen. «In dieser Anlage gibt es rund 100 verschiedene Obstsorten», erzählt er. «Viele davon sind sehr selten.» Deshalb ist er auch als Sortenbetreuer bei der Stiftung Pro Specie Rara. Diese «Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren» setzt sich dafür ein, dass alte Obst-, Gemüse- und Pflanzenarten sowie seltene Tierrassen erhalten bleiben. «Viele Leute kennen  nur die Apfelsorten, die in den Supermärkten verkauft werden», so Eugen Ofner. «Dabei gäbe es noch so vieles zu entdecken.» Zum Beispiel wächst in seinem Garten der «Schoggiöpfel», der aussieht wie ein Boskop, aber überhaupt keine Säure hat. «Auch habe ich einen Apfelbaum mit extrem sauren Äpfeln. Daraus stelle ich einen Cidre her.»

Unzählige Stunden verbringt Eugen Ofner in seinem Obstgarten. Die Früchte, die er erntet, verkauft er an das Restaurant Rechberg oder den Bachser Märt im Seefeld. Auch Mitglieder der Gemüsegenossenschaft Pura Verdura haben schon Äpfel bei ihm gekauft. Diese Genossenschaft wurde im letzten Jahr gegründet und bewirtschaftet einen Acker oberhalb des Gartenareals Lengg. «Wir würden eine Zusammenarbeit begrüssen», sagt Rahel Fuchs von Pura Verdura. «Aber es ist alles noch in den Anfängen. Falls die Obstgenossenschaft entsteht, schauen wir weiter.» Neben Äpfeln und Birnen wächst in Eugen Ofners Anlage auch unzähliges anderes Obst heran, zum Beispiel Quitten. «Aus dem Saft mach ich einen Wein, angesetzt mit einem Sherry ...», verrät der Feinschmecker, der gerne mit seinen Produkten experimentiert.

Spezialisiert auf Naturgärten

Eugen Ofner hat 33 Jahre lang bei Grün Stadt Zürich gearbeitet. Nach seiner Frühpensionierung machte er sich als Naturgärtner selbstständig und gestaltet seitdem Neuanlagen und bestehende Gärten zu biodiversen grünen Oasen um. «Gerade bei jungen Leuten ist das ein wachsendes Bedürfnis», stellt er fest.

Wie beeindruckend ein Naturgarten sein kann, in dem sich auch Insekten und viele Tierarten wohlfühlen, zeigt seine Obstanlage Elefantenweg. Dieses grüne Paradies hat auch die Naturschutzorganisation Pro Natura überzeugt, sodass sie sie als «Pro Natura Naturgarten» mit zwei Schmetterlingen ausgezeichnet hat.

Um weitere Anlagen bewirtschaften zu können, führt Eugen Ofner Gespräche mit GSZ Naturschutz und Landwirtschaft und mit den Bauern, welche die Unternutzung mit Grasschnitt und Beweidung machen. Jetzt fehlen nun noch weitere Interessierte, die bei der Vereinsgründung mitmachen und auch im Vorstand mitmachen wollen. Sie können mit Eugen Ofner Kontakt aufnehmen über die E-Mail-­Adresse e.ofner@bluewin.ch.