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Pandemie-Ende noch lange nicht in Sicht

Erstellt von Dennis Baumann |
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Die Umsetzung der Corona-Massnahmen ist nicht einfach. Der Krisenstab Covid Küsnacht widmet sich diesem Problem auf lokaler Ebene. Andreas Steiner, Hausarzt und Mitglied des Krisenstabs, gibt Antworten, wie es mit dem Virus weitergehen soll.

Täglich besuchen aktuell bis zu 30 Patientinnen und Patienten die Küsnachter Arztpraxis von Andreas Steiner, um sich auf das Coronavirus testen zu lassen. «Im April waren es gerade mal zwei bis drei. Das ist ein massiver Anstieg», sagt Steiner. Und die Fallzahlen steigen mit jedem Tag, und dies, obwohl die Massnahmen zunehmend verschärft werden. Daraus zu schlussfolgern, dass beispielsweise Maskentragen und Personenzahlbeschränkungen nichts bringen, sei falsch, sagt Steiner und fügt an: «Einen konkreten Grund für diese Entwicklung trotz verschärfter Massnahmen, die nun etwas zu spät kommen, kann ich auch nicht liefern. Man muss bedenken, dass viele Faktoren mitwirken.»

Die meisten Personen stecken sich zu Hause, bei Familienfesten, Gruppenausflügen oder Vereinsversammlungen mit dem Virus an. Ein Ort, an dem üblicherweise weder Abstand gehalten noch eine Maske getragen wird. Ein weiterer Faktor ist die Zunahme an durchgeführten Corona-Tests. Wie Steiner in seiner Praxis selbst bemerkt hat, lassen sich die Menschen häufiger testen als zu Beginn der Pandemie. «Je nach Grösse der Praxis kann jeder Hausarzt Dutzende Personen pro Tag testen. Die Prozedur über fünf Minuten ist sehr kurz und bis jetzt haben die meisten Praxen genügend Tests zur Verfügung», so der Küsnachter Hausarzt.

Impfstoff in weiter Ferne

Längst ist klar, dass die Entwicklung eines Impfstoffs ein wichtiger Schritt in der Bekämpfung des Virus sein wird. Bis dahin sei es ein langer Weg, sagt Steiner. Denn für gewöhnlich dauert die Entwicklung eines Impfstoffs, bis dieser zum Einsatz kommen darf, etwa zehn Jahre. Im Fall der Corona-Pandemie herrscht ein anderes Tempo. Weltweit sind über 160 Forschungsteams dabei, einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln. «Vor Ende 2021 sollte man aber nicht mit einem Impfstoff rechnen. Das hört sich vielleicht ernüchternd an, aber ein Impfstoff muss, bevor er auf den Markt kommt, sicher, wirksam und ohne Nebenwirkungen sein», sagt Steiner.

Laut einer Umfrage von Tamedia würden sich aktuell nur jeder zweite Schweizer und jede zweite Schweizerin gegen das Virus impfen lassen, sollte ein Impfstoff auf den Markt kommen. Einige sind besorgt, dass ein Impfstoff gegen das Virus Nebenwirkungen mit sich bringen würde. Hausarzt Andreas Steiner sieht keinen Grund zur Sorge: «Wenn der Impfstoff zum Einsatz kommt, dann erfüllt er alle Qualitätsstandards, die bisherige Impfstoffe auch erfüllen müssen. Natürlich besteht immer ein sehr geringes Restrisiko, aber das ist normal.»
Die Umfrage von Tamedia lässt Schweizer impffaul aussehen. Eine Impfpflicht komme für Steiner trotzdem nicht infrage. Viel eher glaubt er, dass es automatisch zu einer Impfwelle kommen wird. Die Gesundheit sei den Menschen wichtig geworden. Ansonsten könne er sich auch Anreize vorstellen, wie zum Beispiel, dass wer sich geimpft hat, ins Ausland reisen kann. Ähnlich wie bei der Gelbfieber-Impfung, die für die Einreise in gewisse Länder obligatorisch ist.

Effizienz dank Krisenstab

Als Mitglied des Krisenstabs Covid Küsnacht vertritt Steiner innerhalb des Stabs sämtliche Arztpraxen in Küsnacht. So sind im Krisenstab Vertreter aus den verschiedensten Bereichen der Gemeinde dabei, wie beispielsweise Verwaltung, Sicherheit, Spitex oder Gewerbe. Gemeinsam sind die Krisenstabmitglieder dafür verantwortlich, in der Corona-Pandemie für die Gemeinde und die Bürger Lösungen zu finden. Dabei handelt es sich vor allem um Notfallpläne und die Umsetzung der Corona-Massnahmen, die auf Kantons- oder Bundesebene bestimmt werden.
Im März überlegte sich der Krisenstab, wie entlassene Corona-Patienten weiter betreut werden. Es ging um die Frage, wie und wo diese untergebracht werden sollen. Ein weiteres Beispiel ist die Koordination von Gemeindeversammlungen. Überlegungen, ob nun eine Maskentragpflicht herrscht oder nur halb so viele Personen an der Versammlung teilnehmen dürfen, beschäftigten den Krisenstab. Die Corona-Fallzahlen Küsnacht, Bezirk Meilen und Kanton Zürich werden von ihm analysiert und beurteilt. Die Zahlen im Blick zu haben, sei wichtig, damit über das weitere Vorgehen bestimmt werden könne, sagt Steiner.

Bis auf die bisher geltenden Vorkehrungen sieht der Krisenstab für den Winter aktuell keine konkreten Massnahmen vor. Auch wenn die Fallzahlen schweizweit steigen, ist der Krisenstab stets von den Bestimmungen des Kantons und des Bundes abhängig. «Man hört es oft, aber es ist jetzt wichtiger denn je: Durchhaltevermögen beweisen, Masken tragen, Abstand einhalten und Ruhe bewahren ist das Effektivste, was jede Einzelperson zur Bekämpfung des Virus tun kann», sagt Steiner.