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Sie warten gerne sitzend auf ihre Beute

Erstellt von Pascal Turin |
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Drei neue Habichtskäuze sind in Zürich angekommen: Mit ihnen will der Zoo sein Engagement im Artenschutz stärken. Das Ziel ist Nachwuchs, der in Österreich ausgewildert werden soll. Im Nachbarland waren die Tiere bis Mitte des 20. Jahrhunderts heimisch. Seither gelten sie dort als ausgestorben.

Um diese Tageszeit nehmen sie es gemütlich. Kein Wunder, sind Habichtskäuze doch dämmerungs- und nachtaktiv. Und jetzt ist gerade erst Vormittag. Klar ­wirken sie darum etwas müde und sitzen in der hintersten Ecke des Geheges. Zoo-Kurator Pascal Marty muss genau schauen, bis er den Star dieses Medienanlasses auf einem Ast erspäht. In Zürich sind kürzlich drei neue Habichtskäuze angekommen, ein Männchen aus dem Tierpark Goldau und ein Pärchen aus Österreich.

Wenn alles nach Plan läuft, soll sich das noch namenlose Männchen aus der Zentralschweiz mit der Habichtskauzdame Rosalie zusammentun und für Nachwuchs sorgen. Rosalie lebt seit 2014 im Zoo. Der erste Schritt ist auf alle Fälle gemacht, die Vögel haben sich kennen gelernt – und vielleicht wird es bereits nächstes Jahr Nachwuchs geben.

Der Mensch sah sie als Konkurrent
Jungtiere würden allerdings nicht in Zürich bleiben. Sie will der Tierpark an ein Auswilderungsprojekt nach Österreich abgeben. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts waren Habichtskäuze in unserem Nachbarland und auch in Deutschland – im Gegensatz zur Schweiz – heimisch. Seither gelten sie als ausgestorben. Die Menschen haben die Eulen gejagt, weil sie die Vögel als Nahrungskonkurrenten und Schädlinge sahen.

Immerhin kann der durch Menschen verursachte Schaden zumindest in Teilen rückgängig gemacht werden: Die Auswilderungen in Österreich scheinen zu funktionieren. Seit 2009 versucht man, eine stabile Population aufzubauen. Zurzeit züchten 49 Brutpaare in 32 Zoos und Zuchtstationen. Bis September 2019 konnten 428 Vögel im Biosphärenpark Wienerwald sowie im Wildnisgebiet Dürrenstein freigelassen werden. Seit 2011 sind in der Natur erfolgreiche Brutpaare beobachtet worden. Das ist darum von besonderer Bedeutung, weil Habichtskäuze gemäss Kurator Marty eine ­wichtige Funktion im Ökosystem haben. Sie sorgen etwa dafür, dass sich ihre Hauptnahrungsquelle, nämlich Nagetiere, nicht zu stark vermehrt. Auf dem Speiseplan der bis zu 1,2 Kilogramm schweren Eulen stehen unter anderem Säugetiere bis Hasengrösse, Vögel, oder Reptilien. Im Zoo gibt es neben Mäusen manchmal auch Küken zu fressen.

Zum Jagen fliegen sie nicht herum
Die Habichtskäuze sind «klassische ­Eulen, wie man sie sich vorstellt», erklärt Marty. Und sie haben «supergute Ohren». Ausserdem kann der Habichtskauz, wie andere Eulen auch, seinen Kopf dank 14 Halswirbeln bis zu 270 Grad drehen. Zum Vergleich: Der Mensch hat sieben Halswirbel.

Da Habichtskäuze im Wald leben, sind sie sogenannte Ansitzjäger. Das heisst, sie lauern ihrer Beute auf. Haben Habichtskäuze ein Beutetier erspäht, fliegen sie los und packen ihr Opfer mit ihren starken Klauen. Eulenarten, die in der offenen Landschaft leben, fliegen herum, bis sie Beutetiere entdecken. Das gilt etwa für die Schleiereule.

Habichtskäuze leben monogam und verteidigen ein gemeinsames Revier. Das Weibchen bebrütet zwei bis vier Eier während 28 bis 35 Tagen. Das Männchen füttert es in dieser Zeit. Nach weiteren 35 bis 40 Tagen verlassen die Jungtiere das Nest.