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Sportförderung für alle oder Millionen für mehr Dichtestress?

Erstellt von Lorenz Steinmann |
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Der Gemeinderat will bei Sportanlagen wie Bädern, Eisbahnen und Tennisanlagen die Benutzung gratis ermöglichen oder zumindest stark vergünstigen. Sportvereine jubilieren. Die Bürgerlichen laufen Sturm dagegen.

Diese Vorlage «Sportstadt Züri» tönt verführerisch. Wer am 29. November Ja dazu sagt, kann künftig gratis in alle Stadtzürcher Freibäder. Etwas, was aktuell erst für Flussbäder wie dem Oberen und Unteren Letten, sowie für den Katzensee gilt. Die  übrigen von der Stadt betriebenen Sport- und Badeanlagen sollen für in der Stadt wohnhafte Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre sowie für Personen mit kleinem Portemonnaie ebenfalls gratis sein. Dazu gehören Eisbahnen sowie Tennisplätze. Zudem dürften Sportvereine mit Sitz in Zürich, welche die Anlagen nicht kommerziell nutzen, die Anlagen ebenfalls kostenlos benützen. Dabei geht es primär um Fussballfelder und Turnhallen. Kein Wunder, ist der durchaus bürgerlich ausgerichtete Zürcher Stadtverband für Sport (ZSS) für die Vorlage. Er ist der Dachverband der rund 400 Sportvereine in Zürich. Ebenfalls für die Vorlage ist die Mehrheit des Gemeinderats, sowie die Parteien AL, Grüne und SP. Dafür ist logischerweise auch die Partei der Arbeit (PdA). Die sonst höchst unauffällige Linksaussenpartei hat das Anliegen mit einer Volksinitiative lanciert. Nach einem Gegenvorschlag zog die PdA ihr noch weiter gehendes Vorhaben zurück. Ziel des Gegenvorschlag ist laut einem breit abgestützten Komitee, «die sportliche Betätigung der Bevölkerung zu fördern». Rund 23 Prozent der Stadtzürcherinnen und Stadtzürcher würden sich aus verschiedenen Gründen nicht aktiv sportlich betätigen, so SP-Gemeinderätin Maya Götz. Dabei seien Menschen mit tiefem Einkommen überdurchschnittlich stark vertreten. Siro Torresan von der PdA ergänzt: «Es gibt in unserer Stadt Menschen, die sich einen Badi-Eintritt schlicht nicht leisten können, und es sind mehr, als wir denken.»

Der Stadtrat ist dagegen
Für solche Argumente haben der Stadtrat und ein bürgerliches Komitee kein Gehör. Der Stadtrat ist überzeugt, dass die Idee zu wenig zielgerichtet sei und die zu erwartenden jährlichen Kosten von rund 15 Millionen Franken daher zu hoch seien. Die kostenlosen Freibäder würden zudem viele «Badetouristen» anlocken.

«Zu voll, zu teuer»
Dieses Argument nimmt das «Komitee gegen überfüllte Badis» explizit auf. Ihm gehören Vertreter von SVP, FDP, EVP, GLP und CVP an. Man fürchtet sich vor auswärtigen Gästen. Damit drohten Zugangsbeschränkungen, die auch die Stadtzürcher treffen würden. Beispiel dafür sei der Obere Letten. In diese Gratisbadi kommen Besucher von weither. Entsprechend übervoll ist sie oft.

Doch dem Nein-Komitee geht es primär um die prognostizierten Mehrausgaben von 15 Millionen Franken jährlich. SVP-Gemeinderätin Susanne Brunner:  «Es ist nicht nachvollziehbar, dass die Allgemeinheit für das Freizeitvergnügen der Badi-Gäste bezahlen soll.»

«Nur 0,2 Prozent des Budgets»
Ein Argument, das bei der PdA schlecht ankommt. Mit den 0,2 Prozent des Budgets der Stadt Zürich werde ein wertvoller Beitrag für die breite Bevölkerung geleistet. «Anstatt noch mehr Steuergeschenke für Reiche und Konzerne zu bereiten, wird mit dem Betrag Sport und Gesundheit gefördert, was allen zugutekommt»,  so die Befürworter.

Höchste Bäderdichte
Im Zentrum der Abstimmung stehen die Badeanlagen. Dabei bietet Zürich im nationalen wie internationalen Vergleich die vielleicht höchste «Bäderdichte». Auf Stadtgebiet stehen zur Auswahl: sechs Beckenfreibäder, sechs Strand-/Seebäder, fünf Flussbäder und ein (privates) Thermalbad. Dazu kommen mehrere Luft- und Sonnenbäder, viele Kilometer «wilde» Badestellen am See und an der Limmat sowie sieben Hallenbäder. Plus noch ein paar Schulschwimmbäder, die zu gewissen Stunden auch dem allgemeinen Badebetrieb offenstehen. Kein Wunder,  hat sich in Zürich das Schwimmen und «Bädelen» zur Kultur entwickelt. Die Stadtbewohnerinnen und -bewohner sind emotional eng mit ihren Bädern verwurzelt. Kein Wunder, kochen die Emotionen bei der Sportstadtvorlage so hoch.