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Stadtgrün-Initiative eingereicht

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«Der Klimawandel ist keine abstrakte Bedrohung mehr, die vielleicht in ferner Zukunft eintreffen könnte, sondern bereits heute spürbare Realität», schreiben die Verantwortlichen der Stadtzürcher Volksinitiative Stadtgrün. Besonders in den Städten mit ihren versiegelten Flächen sei der Hitzeinseleffekt immer stärker spürbar. «Ihn zu minimieren und die Lebensqualität langfristig zu erhalten, ist eine dringende Herausforderung», so die Initianten. Die Zeit des Abwartens und Hinhaltens sei abgelaufen. Deshalb hat der Verein Stadtgrün mit Unterstützung von Klimastadt Zürich die Volksinitiative Stadtgrün lanciert, die am 12. März mit über 4'300 Unterschriften bei der Stadtkanzlei eingereicht wurde.

Anerkennung für bisherige Massnahmen

Wer in der Klimapolitik tätig ist, konzentriere sich in der Regel darauf, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen. Mit der Ausrufung des Klimanotstands und der Festlegung des Netto-Null-Ziels hat Zürich den Handlungsbedarf laut den Initianten anerkannt. Ursachenbekämpfung sei natürlich richtig und wichtig, doch «wir können uns längst nicht mehr darauf verlassen, dass damit ein markanter Temperaturanstieg verhindert werden kann. Die Überhitzung zwingt uns, Massnahmen zu ergreifen, um das Leben in den Städten auch während der Sommermonate erträglich zu gestalten». In der Vergangenheit wurde diesem Aspekt in der Stadtplanung und im Bauwesen laut den Initianten zu wenig Beachtung geschenkt. Hitzetage und Tropennächte häufen sich. Während in ländlichen Regionen Wälder, Wiesen und Gewässer für angenehme Temperaturen sorgen, bleibt die Sommerhitze in den Städten regelrecht kleben, weil Asphaltflächen und Gebäude die Sonnenwärme tagsüber aufnehmen und in der Nacht langsam abgeben. Dadurch ist es in der Stadt Zürich schnell einmal bis zu 7 Grad wärmer als in der Umgebung. Wachsender Verdichtungsdruck, um sich greifende Rodungen auf privaten und öffentlichen  Grundstücken und die zunehmende Bodenversiegelung beschleunigen die Entwicklung Zürichs zur Hitzeinsel. Vertikale und horizontale Grünräume können dieser Entwicklung entgegen wirken, indem sie Schatten spenden, durch Verdunstung kühlen, Sonnenstrahlung absorbieren  und an Gebäudehüllen eine isolierende Wirkung entfalten. Zudem filtern sie Luftschadstoffe, fördern die Biodiversität, schlucken Strassenlärm und fördern nicht zuletzt das Wohlbefinden von Mensch und Tier. Das enorme Potenzial bei Plätzen, Flachdächern, Fassaden, Tramtrassen, in Strassenräumen und anderen Flächen, die sich für Begrünungen eignen, muss zwingend besser genutzt werden. «Um einen spürbaren Effekt zu erzielen, braucht es einen unabhängigen und langfristig orientierten Akteur mit der Kompetenz, Massnahmen umzusetzen, die über das gesetzliche Minimum hinausgehen und sich dabei mit allen wichtigen Akteuren vernetzt», sind die Initianten überzeugt.

Initiative Stadtgrün – eine liberale Lösung soll positive Anreize bieten

Der Verein Stadtgrün und die Klimastadt Zürich fordern mit der Initiative Stadtgrün, dass die Stadt Zürich rasch Antworten auf die Hitzeinselproblematik sucht und findet. Sie verlangt die Errichtung eines Kompetenzzentrums (Stiftung Stadtgrün), das Projekte planen, unterstützen und ausführen kann, welche einerseits  die klimatischen Bedingungen in der Stadt verbessern (Flächenwirkung) und andererseits Forschung und Entwicklung unterstützen (Erkenntnisgewinn). Insbesondere aber soll es eine zentrale Anlaufstelle sein, wo Immobilienbesitzer, Bauherren, Landschaftsgärtner, Architekten, Behördenvertreter und andere Fachpersonen zusammenfinden, um sich auszutauschen, Wissen zu fördern und gemeinsam Projekte zu planen und zu realisieren. Der Vorteil dieses Lösungsvorschlages sei, dass er nicht mit Zwang arbeitet, sondern auf Freiwilligkeit basiert. Bauherren, für die Grün am Bau ein Thema ist und die sich informieren wollen, ohne gleich teure Beraterverträge abschliessen zu müssen oder Gefahr laufen zu wollen, in die Mühlen der Verwaltung zu geraten, erhalten laut dem Medientext mit der Stiftung Stadtgrün eine unabhängige Anlaufstelle. Diese kann Unterstützung in verschiedener Form leisten: Sei es mittels Beratung, mittels Vermittlung geeigneter Projektpartner, durch direkte finanzielle oder personelle Projektunterstützung oder durch Hilfeleistungen für den Unterhalt installierter Anlagen. Die Stiftung besitzt den Vorteil, dass sie Massnahmen dort umsetzen kann, wo der Nutzen am grössten ist: Bei bestehenden Gebäuden und Grundstücken, die zu 90 Prozent in privater Hand sind – also dort, wo eine allfällige Gesetzänderung gar nicht greifen würde. Durch die geforderte Mitwirkung der verschiedenen Verwaltungsstellen in der Stiftung werden die Behörden einen konstruktiven Beitrag im Hinblick auf die Begründung im öffentlichen Raum leisten.Ein alternatives Vorgehen, namentlich eine Gesetzesänderung, würde sich auf Neubauten beschränken, wodurch es angesichts der Erneuerungsquote bei Bauten bis zu 100 Jahre dauern würde, bis eine spürbare Wirkung erzielt werden könnte. Ein solches Gesetz würde darüber hinaus neue, unerwünschte Zwänge schaffen.

Die Errichtung der Stiftung Stadtgrün soll ein wichtiger Schritt sein, um das brachliegende Potenzial schnell zu realisieren. Dank hervorragender Forschungseinrichtungen, einem grossen Pool an motivierten Fachleuten, mutigen Unternehmerinnen und Unternehmern und nicht zuletzt dank vieler brachliegender öffentlicher Räume, Dachflächen sowie Fassaden, besitzt Zürich die Chance, sich zu einem weltweit führenden Akteur für «Grün in urbanen Räumen» zu entwickeln. Damit verbunden sind gesundheitliche Aspekte der Bevölkerung und grosse wirtschaftliche Chancen in einem Sektor, der für Bewohnerinnen und Bewohner von Städten weltweitzunehmend wichtiger wird. (pd.)