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Storys aus dem Whatsapp-Chat

Erstellt von Céline Geneviève Sallustio |
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Was sind die Nebenwirkungen einer seriellen Monogamie? Diesen und anderen Fragen ist die Küsnachterin Cornelia Roffler in «Frauen in unverwechselbaren Jahren» nachgegangen. Dabei schreibt sie mit viel Humor über die Ü50erinnen.

Begonnen hat alles mit einem Whats­-app-Chat unter Freundinnen. Der Auf­hänger: ein Foto von Cornelia Roffler in einem beigen, etwas kürzer als knielangen Kleid aus Leinen, das ihr ihre Freundinnen zum Geburtstag schneidern lassen haben. Im Hintergrund die Bündner Alpen.

Andrea: Das Kleid darf etwas kürzer sein. 

Cornelia: Ich sags ungern, aber jetzt hat gerade noch ein Ex geschrieben.

Andrea schickt ein Foto ihrer Knie: Nicht mehr ganz so straff.

Ella: Perfekte Länge, perfekte Schrumpelknie! Die brauchen nur etwas Sonne. Und sowieso: Auf den Charme kommt es darauf an!

Cornelia: Wenn ich diesen Chat lese und über das Leben von uns allen nachdenke, frage ich mich schon, ob das nicht das ideale Drehbuch für eine Serie über Frauen in (unver-)Wechsel(-baren)Jahren wäre? 

Diese Whatsapp-Konversation, die die Freundinnen von Roffler anlässlich ihres 50. Geburtstags gegründet haben, war für Cornelia Roffler die Zündschnur einer Idee – aber dazu gleich mehr. Jetzt sitzt die Küsnachterin an einem Morgen im November bei ihr zu Hause auf dem Sofa. Ganz in Grau und Schwarz gekleidet. Sie trinkt einen Kaffee, dazu eine halbe ­Brioche und ein Praliné. «Diese humor- und liebevolle Konversation hat mich dazu inspiriert, ein Drehbuch über Frauen in den Wechseljahren zu schreiben», sagt sie. 

Gesagt, getan: Zwischen Ende April 2021 und Juli 2021 schrieb sie mindestens wöchentlich eine Folge aus dem Leben ihrer zwölf Freundinnen und verschickte sie jeweils in den Gruppenchat. «Daraus entstanden sind drei Staffeln zu je acht Folgen, die sich mit den Themen rund um die Wechseljahre beschäftigen.» Darin gehe es um Aufbruch, Loslassen, Geheimnisse, Träume, Männer, ärmellose Shirts und darum, ob Achtsamkeit oder der Yoga-­Sonnengruss wirklich die Antwort seien. ­Bevor Cornelia Roffler ihre Freundinnen mit den Geschichten überraschte, schrieb sie ihnen: «‹Sex and the City› kann einpacken! Hier kommen die Schweizerinnen.»

Brieffreundschaften prägten sie

Auf dem Wohnzimmertisch liegt das Buch «Frauen in unverwechselbaren Jahren». In diesem hat die frischgebackene Autorin alle Geschichten ihrer Freundinnen zusammengefasst, die Namen der Protagonistinnen durften diese selbst wählen: den Vornamen, wie sie als Mädchen gerne geheissen hätten, gepaart mit dem Nachnamen des ersten Freundes. Das 136-seitige Buch, das die Autorin ohne Verlag herausgegeben hat, ist dieses Jahr erschienen und ist in der Buchhandlung Wolf erhältlich. Zu ihrem 50. Geburtstag hat die Küsnachterin von ihren Eltern ein kleines Couvert mit Bargeld erhalten. «Für einen geheimen Wunsch» hiess es da drauf. Roffler hält jetzt das Buch, ihren Wunsch mit dem hellblauen Einband, in den Händen. Wie ist dieses Gefühl für sie? «Es kommt mir komisch vor, zu sagen, das Buch sei spannend, humorvoll und packend geschrieben.» Wenn ihre drei Söhne das hören, dann sprechen sie ihrer Mutter jeweils liebevoll Mut zu und sagen: «Niemand macht etwas, was er oder sie nicht selbst spannend findet.» Dann muss Roffler ihren Buben recht geben und sich eingestehen, dass sie unglaublich glücklich über die Publikation ist. 

«Stur und unkompliziert»

Cornelia Roffler ist im bündnerischen Trimmis aufgewachsen. Die Klischees einer Bündnerin erfüllt sie vollumfänglich, sagt sie über sich. «Ich bin stur und unkompliziert und meine Freizeit verbringe ich gerne in der Natur, am liebsten in den Bergen mit Freunden oder allein.» ­Geschrieben hat die Bündnerin bereits als Kind. Seit sie schreiben kann, erzählt Cornelia Roffler, führt sie ein Tagebuch. «Seither haben sich bestimmt drei Meter Tagebuch in meinem Estrich angesammelt», sagt sie und hält sich die Hände vor die Augen.  Als junge Frau habe sie auch mit ihrem Grossvater einen Briefaustausch gepflegt. Der Inhalt wechselte sich zwischen Persönlichem, Geschäftlichem und Politischem ab. «Die Leidenschaft für den handschriftlichen Austausch ist mir mit dem Alter erhalten geblieben», sagt sie. Auch als langjährige Mitarbeiterin in der Kommunikation im Personalbereich bei der UBS in Zürich bleibt sie ihrer Leidenschaft treu. Ob es eine Fortsetzung der unverwechselbaren Jahre gibt? Roffler: «Wenn ich gute Ideen habe, dann unbedingt.» Wer weiss, bei «Sex and the City» wird heute noch an einem Sequel gearbeitet.