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«Viele Zeichen der Unterstützung»

Erstellt von Manuela Moser |
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Stephan Winiger, Geschäftsführer der Küsnachter Buchhandlung Wolf, nimmt den zweiten Lockdown «fatalistisch». Und macht das Beste daraus. Seine Abholstation für die bestellten Bücher gibt es nun wieder.

Stephan Winiger, wie geht es Ihnen im zweiten Lockdown. Sie mussten eben Ihre Buchhandlung erneut schliessen?

Obwohl wir schon «Übung» haben, ist die Umstellung auf die neue Situation eine nervliche Belastung. Ausserdem mit sehr viel Arbeit verbunden. Den angeordneten Massnahmen stehe ich fatalistisch gegenüber. Anders gesagt: Ich rege mich nicht auf, weil ich sowieso nichts ändern kann.

Kritisch sind Sie trotzdem ...

Natürlich verstehe ich nicht, warum ausgerechnet Buchhandlungen geschlossen bleiben müssen, während andere Branchen von Ausnahmeregelungen profitieren können. Das lässt tief blicken. Das ­Kulturgut Buch scheint bei unseren Magistraten keinen hohen Stellenwert zu ­geniessen. Aber es gibt ja auch «Bücher des täglichen Bedarfs», zum Beispiel Ratgeber dazu, wie man sein Immunsystem stärken kann. Abgesehen davon können in einer solch geräumigen Buchhandlung wie meiner die Abstandsregeln problemlos eingehalten werden. Wir haben immer geschlottert, weil wir permanent lüfteten und immer wieder Durchzug machten. Masken getragen haben wir seit Ende August sowieso den ganzen Tag.

Was ist anders für Sie als im Frühling vergangenen Jahres?

Wir haben unsere Erfahrungen gemacht und sind gelassner. Die Umsätze werden nicht auf null zurückgehen.

Wie stark ist Ihr Geschäftseinbruch?

Bis Samstag vor dem Lockdown waren die Umsätze gut. Die Leute legten sich einen Vorrat an. Jetzt können die Kunden die bestellten Bücher an unserer Abholstation abholen, mit Rechnung. Natürlich wird es einen empfindlichen Umsatzrückgang geben. Wir hoffen, dass wir eine Härtefallentschädigung bekommen. Und Kurzarbeit ist beantragt.

Welche Methoden haben Ihnen schon bei der ersten Welle geholfen, den Mut nicht zu verlieren?

Wir haben schnell gemerkt, dass die Abholstation sehr geschätzt und auch genutzt wird. Der Kontakt mit Kundinnen und Kunden per Telefon und Mail war sehr schön und motivierend. Es war berührend, so viele Zeichen der Unterstützung zu bekommen. Es wurde honoriert, dass wir trotz allem für die Kundinnen und Kunden da waren. Das hatte auch nachhaltige Wirkung. Schwer war, dass der zuerst auf fünf Wochen anberaumte Lockdown zweimal verlängert wurde.

Was sind für Sie die guten Folgen aus dieser Pandemie?

Unsere Buchhandlung und viele andere Küsnachter Detaillisten profitieren davon, dass die Leute weniger nach Zürich fahren und auch ganz grundsätzlich und bewusst ihr Einkaufsverhalten zugunsten der hiesigen Fachgeschäfte angepasst haben. Die Befürchtung, dass sich im Lockdown das ganze Buchgeschäft in den Onlinehandel verlagert, hat sich nicht bewahrheitet. Wir spüren, dass unser Angebot geschätzt wird.

Und Sie dürfen jetzt direkten Kontakt mit den Kunden haben ...

Ja, im Gegensatz zum letzten März bis Mai ist es uns nicht mehr verboten, uns durchs Fenster oder unter der offenen Ladentür mit der Kundschaft zu unterhalten. Das ist praktisch, wenn es Fragen oder Probleme gibt. Es darf einfach niemand rein.

Und was ist mit Hauslieferungen?

Die bieten wir weiter an. Die Nachfrage ist aber deutlich geringer als im ersten Lockdown, weil die Leute wieder vermehrt selber entscheiden, ob sie aus dem Haus möchten oder nicht. «Bleiben Sie zu Hause» war gestern.