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Stadtratswahlen – Wer macht das Rennen?

Erstellt von Lorenz Steinmann |
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Noch knappe drei Monate gehts bis zu den Gesamterneuerungswahlen im Stadtrat. Frei wird lediglich ein Sitz im neunköpfigen Gremium. Holt die SP einen Sitz auf Kosten der AL? Profitiert Sonja Rueff-Frenkel (FDP) vom Frauenbonus? Bleibt die SVP weiterhin aussen vor? Eine Einschätzung.

Aus dem aktuellen Stadtrat gibts nur ­einen Personalwechsel zu vermelden. Richard Wolff (AL) kandidiert am 13. Februar 2022 nach neun Jahren im Amt nicht mehr. Allenfalls erwartet hatte man, dass auch Filippo Leutenegger (FDP, Stadtrat seit 2014, 69-jährig) sowie André Odermatt (SP, Stadtrat seit 2010, 61) und Stadt­präsidentin Corine Mauch (seit 2009 im Amt, ebenfalls 61) nicht mehr antreten. Experten rechnen damit, dass aus diesem Trio vor den übernächsten Wahlen 2026 mindestens eine Person zurücktritt. ­Üblicherweise ist es so einfacher, den ­eigenen Parteisitz zu halten.

Favoritin Simone Brander?

Doch nun zur Ausgangslage für die Ersatzwahl von Richard Wolff. Auf den ersten Blick ist SP-Kandidatin Simone Brander die Kronfavoritin. Die Vergangenheit zeigte: Wenn die SP jemanden aufstellt, ist die Wahl sicher. Vergessen wird oft, dass es sich nicht um eine Ersatzwahl eines SP-Sitzes handelt. Die SP hatte ihren vierten Sitz 2018 verloren, ebenso wie die CVP ganz aus dem Stadtrat fiel. Profiteure waren die Grünen (zwei statt eines Sitzes) sowie die GLP, die erstmals einen Sitz eroberte. Nun will die SP am ehesten der AL den Sitz wieder abluchsen. Doch die AL tritt mit dem bekannten Mieterverbandssprecher Walter Angst an. Er ist ein nicht mehr ganz junger Mann (60), bei seiner Wählerinnen­klientel eher ein Nachteil. Zudem hat die AL die Hoffnungen von Linksaussen in der vergangenen Legislatur nicht unbedingt erfüllt.

Die Jungen drängen

Stichwort Frauen: Im Gegensatz zur AL setzen die Grünliberalen auf eine Frau. Dazu hat die Junge GLP die Versicherungs­juristin Serap Kahriman (31) nominiert. So will die Partei auch bei Leuten mit Migrationshintergrund punkten. Trotz Kahrimans Antreten setzen die Grünliberalen primär auf den Bisherigen ­Andreas Hauri. Es scheint, dass die GLP damit das Fuder eher zu überlädt, ebenso wie die Grünen, welche den eher unbekannten Dominik Waser (23) als dritten Kandidaten neben den Bisherigen Daniel Leupi(56) und Karin Rykart (50) nominiert haben.

Profitiert damit die FDP? Neben den Bisherigen Filippo Leutenegger (69) und Michael Baumer (47) will Sonja Rueff-Frenkel (48) in den Stadtrat. Als Vizepräsidentin der Frauenzentrale könnte sie Baumer durchaus gefährlich werden. Sprich, die FDP holt wiederum zwei Sitze, doch ­Rueff-Frenkel lässt Baumer hinter sich. Punkten könnte Rueff-Frenkel auch dank ihrer Nähe zur überparteilichen Secondas-Plattform, welche sich für Migrationsthemen einsetzt. Spielen könnte der Frauenbonus, der dem Mitte/CVP-Kandidaten Josef Widler (67) einen Strich durch die Rechnung machen könnte. Der Hausarzt und Präsident der Kantonalen Ärztegesellschaft ist zwar wegen der Corona­krise öfter in den Medien präsent, aber doch schon im Pensionsalter. Möglich ist immerhin, dass es die Mitte dank ihm wieder in den Gemeinderat schafft, wo sie die letzten vier Jahre nicht dabei war. Dies im Gegensatz zur EVP, die mit Gemeinde­rat Roger Föhn (58) zu den Stadtrats­wahlen antritt. Sie will so wohl primär ihren Verbleib im Gemeinderat sichern.

Corine Mauch ohne Konkurrenz

Allgemein mutlos agieren alle Parteien neben der SP, wenns ums Stadtpräsidium geht. Momentan ist niemand bekannt, der gegen Corine Mauch antreten will. Auch nicht die SVP. Das hatte man offensichtlich nicht im Sinn, dafür aber eine Zweierkandidatur für den Stadtrat. Obwohl die SVP lange zweitstärkste Partei in der Stadt war und auch 2018 noch 13,4 Prozent der Stimmen holte, ist sie seit 31 Jahren nicht mehr im Stadtrat ver­treten. Letzter SVP-Stadtrat war Kurt Egloff bis 1990. Er verstarb 2019. Nun hofft die Partei auf ein Revival. Sie tritt mit dem Zweierticket Roland Scheck (54) und Stephan Iten (41) an. Den beiden wird aber nicht mehr als eine Aussenseiterchance eingeräumt. Mehr Chancen hätte wohl Gemeinderätin Susanne Brunner (49) gehabt. Einerseits, weil sie eine Frau ist und andererseits, weil sie mit ihrem Vorstoss wegen der «Sprachpolizei» im Gemeinderat für Furore sorgte. Sie setzte sich erfolgreich dafür ein, dass das Gemeinderatsbüro parlamentarische Vorstösse nicht wegen fehlender geschlechtsneutraler Formulierungen zurückweisen darf.

Am 13. Februar gilts ernst

Die Wahlen sind am 13. Februar 2022. Die Bewerbungsfrist fürs Stadtpräsidium und für den Stadtrat läuft offiziell erst am 7. Dezember ab. Ob sich Corine Mauch in letzter Minute doch noch einer «richtigen» Wahl stellen muss und ob es nicht doch noch den einen oder anderen «wilden» Kandidaten gibt, bleibt also noch abzuwarten.