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Wie ökologisch sind Zürichs Sportrasen?

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In der Stadt Zürich gibt es unterschiedliche Sportrasentypen: Natur- und Kunstrasen. Um die Nutzung und den Unterhalt der Sportrasen zu optimieren, hat die Stadt bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften eine Ökobilanzierung der verschiedenen Rasentypen in Auftrag gegeben. Noch ausstehend sind Ergebnisse zur Belastung der Umwelt durch Mikroplastik und die Wirkung von Sportrasen auf das Stadtklima.

Die Stadt Zürich betreibt über hundert Sportrasenfelder, hauptsächlich für Fussball, aber auch für andere Rasensportarten. Rund zwei Drittel der Felder sind aus Naturrasen, rund ein Drittel Kunstrasen, schreibt die Stadt in ihrer Medienmitteilung. Es kommen fünf grundsätzlich unterschiedliche Rasentypen zum Einsatz: Naturrasen bodennah und mit DIN-Aufbau (Dränschichtbauweise), Kunstrasen verfüllt und unverfüllt sowie ein einzelner Hybridrasen (Naturrasen, dessen Wurzelbereich mit Kunststofffasern verstärkt wird). Um den Einfluss der einzelnen Sportrasenfelder auf die Umwelt genauer zu untersuchen, hat die Stadt eine Ökobilanzierung bei der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Auftrag gegeben.

Die fünf Sportrasentypen wurden einander punkto ökologischer Wirkung von Bau, Unterhalt und Entsorgung gegenübergestellt. Dabei wurde sowohl der Einfluss auf die Umwelt pro Feld, als auch der spezifische Einfluss pro Nutzungsstunde bilanziert. Die Studie bezieht sich zwar auf die Gegebenheiten in der Stadt Zürich, sie wurde aber so aufgebaut, dass später auch andere Städte und Gemeinden die Ergebnisse nutzen können.

Ergebnisse identifizieren Optimierungspotenzial

Die Studie zeigt, dass der unverfüllte Kunstrasen unter Berücksichtigung der hohen Nutzungsstunden die beste Ökobilanz aufweist. Denn Kunstrasen kann auch bei nassen Verhältnissen und in der Übergangszeit (Herbst/Frühling) uneingeschränkt bespielt werden. Die geringste jährliche Umweltauswirkung pro Rasenfeld erzeugt der bodennahe Naturrasen – allerdings ist dieser am wenigsten belastbar.

Die verfüllten Kunstrasen schneiden sowohl in der Gesamtökobilanz als auch in der Umweltbelastung pro Nutzungsstunde schlecht ab. Verfüllte Kunstrasen sind in der Stadt Zürich ein «Auslaufmodell». Sie werden bei Neu- oder Ersatzbauten schon länger nicht mehr eingesetzt. Das international in der Kritik stehende Recycling-Granulat wurde auf Stadtzürcher Feldern nie eingesetzt. Die Stadt Zürich wird die bestehenden drei verfüllten Kunstrasenfelder nach Ende ihrer Betriebszeit durch andere Sportrasentypen ersetzen.

Die Untersuchung der ZHAW mache deutlich, dass mit Optimierungen bei der Pflege von Naturrasen die Ökobilanz positiv beeinflusst werden kann. Beispielsweise beim Einsatz von Düngern und durch Mähroboter. Unabhängig von den ökologischen Ergebnissen muss aufgrund der ZHAW-Untersuchung davon ausgegangen werden, dass hinsichtlich Auslastung der Felder in der Stadt Zürich noch Optimierungspotenzial besteht. Der Vorsteher des Schul- und Sportdepartements, Stadtrat Filippo Leutenegger, hält fest: «Die Studienergebnisse helfen uns, unsere Planung noch weiter zu verfeinern und aus den bestehenden Feldern das Optimum für die Stadt und die Nutzenden herauszuholen.»

Weitere Studien in Auftrag gegeben

Für die Stadt liefert die Ökobilanzierung wichtige Antworten, drei wesentliche Fragen bleiben offen:

    • Wie viel Optimierungspotenzial besteht in der Nutzung und Auslastung der vorhandenen Felder?
    • Welche Bedeutung haben Kunstrasenfelder hinsichtlich Mikroplastik?
    • Wie wirken sich die verschiedenen Rasentypen aufs Stadtklima aus?

Zur Beantwortung dieser Fragen hat die Stadt je eine Untersuchung in die Wege geleitet. Erstens hat sie sich an einer Studie des Fraunhofer Instituts beteiligt, die den Einfluss von Mikroplastik untersucht. Zweitens wird sie eine Studie zur Beurteilung des Einflusses der verschiedenen Rasentypen auf das Stadtklima in Auftrag gegeben. Und drittens wurde im Rahmen des nationalen Förderprogramms «Nachhaltige Entwicklung» ein Unterstützungsgesuch für ein Projekt zur Nutzungsoptimierung von Sportrasenfeldern eingereicht. Für den Vorsteher des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements, Stadtrat Richard Wolff, sind solche Studien unerlässlich: «Klima und Mikroplastik sind weltumspannende Themen zu denen wir unseren Beitrag leisten müssen. Es ist darum wichtig, dass wir heute möglichst viele Aspekte kennen lernen, um künftig möglichst nachhaltig planen zu können.» (pd.)