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Wahldossier

«Wir lassen uns von der Corona­pandemie nicht unterkriegen»

Erstellt von Pia Meier |
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Die Coronapandemie prägt auch den Zürcher Wahlkampf für den Gemeinderat und den Stadtrat. Besonders beliebt bei den Parteien sind zurzeit Standaktionen und die sozialen Medien. Podiumsdiskussionen hingegen gibt es nur noch vereinzelt.

Die Coronapandemie verändert den Wahlkampf, aber sie erschwert ihn nicht. Diesbezüglich sind sich alle angefragten Parteien einig. «Die Pandemie beeinflusst den Wahlkampf natürlich», hält zum Beispiel Felix Moser, Präsident der Grünen Partei Stadt Zürich, fest. Grund sei, dass die Menschen vorsichtiger seien und deshalb Kontakte beschränken würden. «Es hat einen erheblichen Einfluss, insbesondere auf die Planbarkeit von ­Anlässen», betont Severin Pflüger, Präsident FDP Stadt Zürich. Zum Beispiel, ob man einen Apéro durchführen könne oder nicht. Die Pandemie mache es schwieriger, Anliegen in direktem ­Gespräch an den Mann oder die Frau zu bringen, ist Mauro Tuenas Erfahrung. Er ist neben seinem Nationalratsmandat auch Präsident der Stadtzürcher SVP. Die GLP sei auf allen Kanälen sehr gut auf­gestellt, wie Stefan Mühlemann, Vize­präsident der Partei, festhält. Die SP hingegen findet, dass sie immer kreativer werde, setzt aber unter anderem auf die bewährten Telefongespräche. Andere Parteien wenden ebenfalls Bewährtes an: «Die EVP macht einen Wahlkampf wie immer», sagt Ernst Danner, Präsident der Stadtzürcher EVP. Ebenso die Mitte (ehemals CVP): «Wir führen Stand­aktionen durch wie bei den vergangenen Wahlen», betont Markus Hungerbühler vom Vorstand Die Mitte.

Standaktionen mit Geschenken

Alle Parteien führen Standaktionen durch, denn sie sind draussen an der frischen Luft. Alle sind überzeugt, dass diese gute Gelegenheiten sind, um mit den Wählerinnen und Wählern ins Gespräch zu kommen, auch wenn weniger Menschen unterwegs sind. «Wir forcieren diese sogar mehr», hält Pflüger fest. Standaktionen würden auch nicht zu ­negativen Reaktionen führen. Die SVP führt ebenfalls Standaktionen wie ­gewohnt durch. «Diese sind unproblematisch», ist Tuena überzeugt. Die SVP kombiniere Standaktionen mit Unterschriften­sammlungen. «Natürlich mit der nötigen Vorsicht», betont Tuena. Und wenn jemand den Unterschriftenbogen nach Hause nehmen wolle, sei das kein Problem, denn es habe immer genügend. «Selbstverständlich tragen wir immer eine Maske», bemerkt Moser von den Grünen. Und Aktionen wie Punsch ausschenken, würde es nicht mehr geben. «Dafür verteilen wir Schöggeli, die alle geniessen können, wann und wo sie wollen.» Auch andere Parteien verteilen bei ihren Standaktionen Esswaren, ­natürlich immer hygienisch verpackt, wie sie festhalten.

Der AL ist die Präsenz auf der Strasse ebenfalls wichtig. «Eine Wahlkampagne ohne Kontakt zu den Wählerinnen und Wählern macht keinen Sinn», hält Walter Angst, Gemeinderat und Stadtrats­kandidat für die AL fest. Die Partei organisiere deshalb viele Rundgänge und ­Strassenkampagnen.

Flyer in Briefkästen beliebt

Nach wie vor beliebt, ist das Verteilen von Flyern in Briefkästen. Mehrere Parteien haben Vollverteiler durchgeführt, also in alle Briefkästen in der ganzen Stadt. ­Zudem werden wie in den vergangenen Jahren an strategisch guten Orten Plakate von Stadtratskandidaten aufgehängt.

In den Innenräumen gelten Coronamassnahmen, die von allen Parteien beachtet werden, wie sie versichern. Allgemein finden wenig Podien statt. Podien seien aufwendiger und schwieriger zu organisieren, halten die Parteien fest. Sie sind aber möglich und finden auch vereinzelt statt. Allerdings waren Podien ­bereits in den vergangenen Jahren nicht mehr so beliebt wie früher. «Beim Buurezmorge sind die Leute trotz Coronamassnahmen gekommen», erinnert sich Tuena. Die Frage bleibe, ob die Leute auch in Zukunft kommen. Die SP führte bereits über 100 sogenannte Polit­apéros in kleinem Rahmen durch. Weiter setzt sie auf die Mobilisierung per Telefon. «In den nächsten Wochen laufen bei uns jeden Abend und an den Sams­tagen die Drähte heiss», berichtet Liv Mahrer, Co-Präsidentin SP Stadt Zürich. ­Zudem führen Kreisparteien der SP ­öffentliche Spaziergänge durch.

Mehr Zeit fürs Zeitunglesen

Die Leute lesen gemäss Experten mehr Zeitung in der Pandemie, wenn sie zu Hause sind. Neben Zeitungen und Fernsehen setzen die meisten Parteien ­allerdings vermehrt aufs Digitale. Sie verlagern gewisse Aktionen in den digitalen Raum. Weiter finden Podien im Stadtratswahlkampf in digitaler Form statt anstatt physisch. «Wir führen unsere ­Social-Media-Aktivitäten weiter», betont zum Beispiel Angst. Verschiedene Parteien wollen auf den sozialen Medien ihre Präsenz maximieren, so zum Beispiel die SP, wie Mahrer erläutert. Auch Moser betont: «Ein wichtiger Punkt ist für uns die Präsenz in den digitalen ­Medien, denn gerade auch wegen der Pandemie findet vieles vermehrt digital statt.» In diesem Bereich versuche die Partei im Vergleich zu früheren Jahren noch präsenter zu sein. Gleicher Meinung ist Hungerbühler: «Allgemein ­haben wir die Aktivitäten auf den sozialen Medien verstärkt.» Und die GLP ­betont: «Wir haben uns schon früh ­entschieden, vermehrt auch auf Online-Wahlkampf zu setzen. Es war ein ­strategischer Entscheid.»