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Küsnachter
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Erstellt von Laura Hohler |
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Seit das Küsnachter Ortsmuseum seine Türen wieder geöffnet hat, gibt es auch Ausstellungsobjekte aus dem Projekt «all#täglich», die in acht Schaufenstern des Dorfzentrums verteilt sind. «Küsnachter»-Korrespondentin Laura Hohler nahm den coronakonformen Museumsbesuch unter die Füsse.

Wer etwas über die Geschichte des Alltags von früher lernen möchte, kann dies mit einem rund 20-minütigen Spaziergang durch den Dorfkern Küsnachts verbinden. Das Projekt «all#täglich – Museumsobjekte als Zeitzeugen» des Ortsmuseums ermöglicht nämlich, dass Museumsinteressierte ausgewählte Ausstellungsobjekte durch die Schaufenster der verschiedenen Küsnachter Geschäfte anschauen können. Insgesamt acht Stationen und Themen beinhaltet der coronakonforme Rundgang an der frischen Luft.

Löschbomben und Bettpfannen

Begonnen hat mein Spaziergang bei den Innenarchitekten Punto Casa an der Alten Landstrasse. Dort ausgestellt war eine Löschbombe «Grenade extincteur» – diese sollte man auf einen harten Gegenstand in das Feuer werfen, um den Brand zu löschen. Ebenfalls verweist das Ortsmuseum auf systematische Feuerverordnungen, die seit dem 15. Jahrhundert existierten. So besassen Haushalte früher Feuerhaken und Feuerleitern, während Nachtwächter patrouillierten, um bei einem Brand Alarm schlagen zu können. Das heutige Feuerwehrhaus in Küsnacht stammt aus dem Jahr 1936 und befindet sich nur unweit vom «Punto Casa» entfernt – es ist bekanntlich das älteste im ganzen Kanton.

Ich laufe zum Wollenladen Chnäuel-Schopf. Da treffe ich auf einen Zylinder, also einen Hut für den Mann, der bis in die 1950er-Jahre getragen wurde, sowie eine Bettpfanne. Die war nicht etwa zum Braten da. «Die Bettpfanne wurde mit Kohle gefüllt, um das Bett vorzuwärmen», heisst es auf dem Informationsblatt. Ausserdem habe man bis zirka 1920 mit Kachelöfen geheizt und nicht alle Zimmer eines Haushalts seien üblicherweise warm gewesen. So spendete die Bettpfanne zusätzlich Wärme in kalten Winternächten.

Bei der «Unicovino»-Weinhandlung gibt es ein altes Rebenmesser, der Coiffeurladen Andreas Zürcher zeigt einen alten Gillette-Rasierer. Dieser wurde laut des Beschreibungstexts durch den Amerikaner King Camp Gillette um 1900 erfunden. Zuvor sei es üblich gewesen, dass Männer für ihre ­Rasur einen Coiffeur besuchten. Ab den 1920er-Jahren sei der bartlose Mann dann immer mehr in Mode gekommen.

Das Augenoptikgeschäft Gottheil AG zeigt eine «Füdlitrucke» oder auch einen sogenannten «Chesselschlitten» – so wurde der Schlitten wegen des Lärms, den er verursachte, genannt. Er stammt aus dem 19. Jahrhundert. Ausserdem zeigt das Schaufenster einen Brief eines achtjährigen Mädchens, das sich an seinen Schulweg erinnert. Es beschreibt, wie es sich jeweils um acht Uhr morgens «genau beim Kirchschlag» mit seiner Freundin Angelina trifft. «Dann laufen wir in Richtung Schule.» Sowohl im 19. Jahrhundert als auch in der heutigen Zeit seien Schulwege von Kindern mit besonderen Momenten verbunden, die im Gedächtnis blieben, heisst es dazu.

Laterna magica und anderes

Jetzt schaue ich durchs Schaufenster der Buchhandlung Wolf an der Zürichstrasse, später durch jenes vom Elektronikgeschäft Euronics von Allmen an der Rosenstrasse. In der Buchhandlung ist eine Dampfmaschine ausgestellt. Beim Radio-TV-Geschäft gibt es einen Inhalationsapparat und eine magische Laterne zu sehen.

Bereits 1560 vor Christus habe das Inhalieren im alten Ägypten als Therapie oder auch zum Wohlbefinden gedient, heisst es. Auch im 18. Jahrhundert hat man Atemwegserkrankungen wie Asthma mit Inhalationsapparaten behandelt.

Die magische Laterne, auch «Laterna magica» oder «Zauberlaterne» genannt, war vom 17. bis ins 19. Jahrhundert sehr populär in Europa. Die Laterne, eine Art Projektionsapparat, konnte verschiedene visuelle Effekte  erzielen und sie war eine Art Vorläufer der heutigen Film- und Fotografietechnik. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die «Laterna magica» zu einem beliebten Massenmedium.

Wettbewerb

Auf dem Spaziergang gibt es ein Rätsel zu lösen (mit Preisen der acht Geschäfte). Start: Coiffeursalon auf dem Dorfplatz. Einsenden des Lösungswortes bis 15. April an: assistenz@ortsmuseum-kuesnacht.ch oder Ortsmuseum Küsnacht, Tobelweg 1, 8700 Küsnacht. Die Ausstellung «all#täglich – Museumsobjekte als Zeitzeugen» im Ortsmuseum ist bis Ostersonntag, 4. April, mittwochs und sonntags von 14 Uhr bis 17 Uhr offen. Rundgang noch bis Ende April.