Züriberg
Zürich 2
Zürich Nord
Zürich West
Küsnachter
Abo bestellen
Wahldossier

Zukunftsbäume stehen Spalier

Erstellt von Jeannette Gerber |
Zurück

Eine neue Ausstellung zeigt die vielfältigen Funktionen der Bäume für uns Menschen – aber auch für alle anderen Lebewesen: Die Stadt experimentiert mit robusten Baumsorten, die dem Klima trotzen können.

Im Rahmen der Ausstellung «Bäume in der Stadt» werden auf dem Areal der Stadtgärtnerei mit einer «Zukunftsallee» verschiedene Baumarten vorgestellt, von denen angenommen wird, dass sie trotz Klimawandel in den Städten eine Über­lebenschance haben.

Kürzlich sprach Projektleiterin Ursula Pfister anlässlich einer organisierten Führung durch die Ausstellung ein paar einführende Worte: «Wir sind froh, dass wir Corona-bedingt erstmals wieder einen Anlass live durchführen dürfen. Es handelt sich um eine Rahmenveranstaltung der Ausstellung ‹Bäume in der Stadt›.»

Die Ausstellung zeigt die vielfältigen Funktionen der Bäume für uns Menschen, aber auch für viele andere Lebe­wesen. «Es werden Drucksituationen auf Stadtbäume, aber auch der Arbeitsalltag von Grün Stadt Zürich in Zusammenhang mit Bäumen thematisiert», sagte Pfister. Und es würde auch die Frage nach der ­Zukunft der Stadtbäume mittels Debatte zwischen verschiedenen Bürgergruppierungen und Fachpersonen gestellt. «Vor anderthalb Jahren wurde speziell für die Ausstellung eine Zukunftsallee mit verschiedenen Bauarten gepflanzt. Damals waren sie bereits zehn bis zwölf Jahre alt», erzählt die Projektleiterin weiter.

Dann stellte Pfister den Referenten Axel Heinrich, Dozent an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften – kurz ZHAW – in Wädenswil, vor. Er arbeitet unter anderem seit Jahren mit Grün Stadt Zürich zusammen.

Bäume wichtig für Lebensqualität

Seit nunmehr 20 Jahren ist auch die Schweiz durch Wärmerekorde geprägt. Klimaveränderungen machen nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch den Stadtbäumen zu schaffen. Deshalb wird nach Baumarten gesucht, die den extremen Temperaturen, zunehmender Trockenheit, höherer Strahlungsintensität und veränderter Niederschlagsverteilung gewachsen sind. Aus diesem Grund experimentiert Grün Stadt Zürich mit ­robusten Baumsorten.

Für die Lebensqualität in der Stadt sind Bäume ausschlaggebend. Sie filtern Feinstaub, produzieren Sauerstoff und kühlen das Klima. Auch sind sie Lebensraum für Vögel, Insekten und Käfer. Doch in der Stadt wird der Lebensraum von Bäumen immer mehr durch Bauten, Strassensanierungen, Kabelverlegungen und Velowege beschnitten.

«Die Zukunftsallee wird sich von den herkömmlichen Alleen unterscheiden» so Axel Heinrich. «Wir werden nicht wie bisher eine einzige Baumart verwenden. Es geht darum, die Vielfalt zu fördern.» Zuerst erklärte er das Vorgehen nach der Pflanzung der Jungbäume. «Nachdem die Bäumchen in der Baumschule dicht beieinanderstanden und sich gegenseitig beschatteten, muss sich der nun allein­stehende Strassenbaum zuerst an die direkte Sonnenbestrahlung gewöhnen. Um die Rinde und die Wachstumsschicht zu schützen, bekommt er einen weissen Stammanstrich», erklärte Heinrich.

Eine regelmässige Bewässerung der frisch gepflanzten Bäume sei unerlässlich. In Hitzeperioden ist wöchentliches Bewässern notwendig. Dazu würden Giessringe aus Kunststoff platziert, damit das Wasser nicht oberflächlich abfliesse. So könne es langsam bis zu den Feinwurzeln versickern.

Bepflanzung mit positiver Wirkung

Natürlich müssten die frisch gepflanzten, noch zarten Bäume zusätzlich ver­ankert werden und dies mit Pfählen aus unbehandeltem Holz. Nach zwei bis drei Jahren sollten sie eingewachsen sein.

Eingepflanzt werden sie in ein eigens von Grün Stadt Zürich produziertes Baumsubstrat, wobei die Zusammensetzung nach Baumart und vor allem Standortansprüchen variieren kann.

Zur Unterbepflanzung der Bäume ist eine artenreiche, laubschluckende und blumenreiche Bepflanzung entwickelt worden, die eine positive Wirkung auf den Baum, die Insekten und dessen Unterhalt hat. Und die Bepflanzung signalisiert das Nicht-Betreten der Baumscheibe. Nun stellte Pflanzenexperte Heinrich die kleinen Baumschätze vor: «Alle unterscheiden sich in ihrem Wuchs unter ­anderem durch verschiedene Kronengrössen und Kronenarchitektur. Je nach Kronenart sind sie für andere Einsatz­gebiete geeignet. Doch auch andere Eigenschaften bestimmen den in Zukunft zugewiesenen Platz.»

Die in der Zukunftsallee gepflanzten Baumarten sind mit Tafeln gekennzeichnet: Der Wollapfel, kleinkronig, beheimatet in Japan, eignet sich für Quartierstrassen. Der Schneeballblättrige Ahorn aus den Abruzzen hat eine offene, breite Krone und eignet sich als Zierbaum. Der Feldahorn ist kleinkronig, europäisch und für Quartierstrassen vorgesehen.

Der Echte Mehlbeerbaum, auch kleinkronig, speziell geeignet für trockene Böden, kommt in Süd-, West- und Mitteleuropa vor. Der Freemans Ahorn ist ein mittelgrosser Baum und stammt aus dem Osten Nordamerikas. Die Rot-Esche «Summit», auch Pennsylvanische Esche genannt, aus Nordamerika, ist ebenso ein mittelgrosser Baum wie auch die Hopfenbuche aus dem Mittelmeergebiet und die Traubenkirsche europäischer Herkunft.

Die Orientalische Platane, grosskronig, stammt aus Sizilien oder Griechenland, kommt auch im westlichen Himalaja vor und eignet sich für Hauptstrassen. Die Winterlinde, Herkunft Europa, Kaukasus und Westsibirien, sowie die amerikanische Rebona-Ulme und die mitteleuropäische Traubeneiche sind ebenso geeignet für Hauptstrassen. Die zukünftigen Stadtbäume sind allesamt Laubbäume, die bekanntlich das Laub verlieren und somit weniger unter der Schneelast leiden wie Nadelbäume. Denn sie können sich in der Regel besser mit kleinen Astausbrüchen regenerieren. Das zeigte sich in diesem Januar; es wurden 14 000 Stadtbäume in Zürich geschädigt. Nadelbäume gehen oft komplett verloren. Die geplanten Mischalleen werden in Zukunft aus europäischen und aussereuropäischen Bäumen bestehen.

Es gibt zahlreiche Veranstaltungen

All diese detaillierten und informativen Erläuterungen trug Axel Heinrich kompetent, enthusiastisch und humorvoll ausgeschmückt vor und wurden mit Interesse und Wohlwollen von den anwesenden 15 – mehr sind in diesen Zeiten nicht erlaubt – Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufgenommen. Die Zukunftsallee-Ausstellung bleibt noch bis Ende der Ausstellung in dieser Form bestehen, dann werden die einzelnen Bäume nach und nach ihrem definitiven Standort zugeteilt.

Wer mehr über einheimische und exotische Bäume wissen möchte: Es gibt zahlreiche Rahmenveranstaltungen in der Stadtgärtnerei.

Ausstellung: www.gruenagenda.ch